Sonntag, 28. Juni 2015

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -11-



[GE]gessen: Schnitteli mit Steinpilz-Trüffel-Paste  

[GE]trunken: Kalimotxo (baskisches Panaché aus Cola & Rotwein)

[GE]kochtTomatensuppe mit Piment

[GE]backen: Pane Vallemaggia, Pane Multicereali con Olive e Grappa,
3-Korn-Sauerteigzopf und Schwarzwälder Kruste

Nicht[GE]wesen: Auf dem Flohmarkt. Wurde wegen Regen abgesagt.

[GE]sehen: Warm Bodies 
(Den findet sogar Herr C. amüsant, obwohl er sonst mit Zombiefilmen nichts anfangen kann).

[GE]lesen: Die Tochter des Schattenspielers - Edibe Halip

[GE]freut: Projekt Neuanzucht Sauerteig wurde 
äusserst erfolgreich durchgeführt.

Auf[GE]fallen: 
Eigentlich wollte ich nur ganz normales Citro MIT ZUCKER besorgen.
Das grausliche Zeug mit Süssstoff kriegt man überall, aber die normale Version ohne Aspartam und Co. wird immer rarer. Erst im dritten Laden bin ich dann fündig geworden. Jetzt kann ich die Amis verstehen, die sich über mit Maissirup gesüsstes Cola beklagen und the real stuff aus Mexiko importieren.

[GE]kauft: Das Kochbuch der vergessenen Genüsse

[GE]hört: Manteau de gloire - Stephan Eicher

[GE]lacht: 



Samstag, 27. Juni 2015

Floridazopf



Pinterest zu durchforsten entpuppt sich langsam aber sicher als neue Sucht. Hier ein Pin, dort ein Pin, und schwupps, sind über 1'000 Pins beisammen. Ich versuche immer gleich zu überprüfen, ob der gepinnte Link überhaupt zur gewünschten Seite führt bzw. noch aktuell ist. Manchmal fehlt aber einfach die Zeit dafür. Zum Beispiel, wenn Herr C. fordernd neben mir steht und mich furchtbar böse anfunkelt, weil er den Laptop für geschäftliche Erledigungen braucht. Oder wenn das Schweinwoll beschliesst, sich auf die Tastatur zu legen, damit es Aufmerksamkeit erhält. Oder wenn der Akku gleich leer ist und irgendjemand das Aufladekabel wieder einmal vernuscht hat. Keine Ahnung, welcher Umstand zutraf, als ich das Rezept für ein Frühstücksbrot mit Orangensaft gespeichert, aber nicht direkt kontrolliert habe. Jedenfalls wollte ich es vor ein paar Tagen anschauen, aber der Link führte ins Nichts. Auch eine Suche via Tante Google brachte keine Ergebnisse. Ärgerlich, aber von solchen Kleinigkeiten lasse ich mich doch nicht abhalten. Flugs ein Zopfrezept mit hawaiianischem Ananasgebäck gekreuzt und siehe da, ein neues Lieblingsbrot wurde geboren. Passt zu Konfitüre genau so gut wie zu Käse, denn der Orangensaft hält sich sehr im Hintergrund. 


Für einen Zopf:

  • 375 gr Weizenmehl Typ 550 (für einen weichen Zopf durch Weizenmehl Typ 405 ersetzen)
  • 100 gr Dinkelmehl Typ 630
  • 20 gr Leinsamen, angequetscht
  • 10 gr frische Hefe
  • 135 gr Orangensaft 
  • 135 gr Milch, lauwarm
  • 1 grosses Ei (70 gr mit Schale)
  • 25 gr Birnel oder Honig
  • 8 gr Salz
  • 40 gr Butter, kühlschrankkalt
  • 2 El Milch zum Bestreichen

Mehl und Leinsamen in der Schüssel der Küchenmaschine vermischen. Hefe reinreiben und in der Mitte eine Mulde formen. Orangensaft, Milch, Ei, Birnel und Salz in die Mulde geben und 3 Minuten auf Stufe 2 kneten, bis der Teig zusammenhält. Dann die kalte Butter würfelweise zugeben und langsam einkneten. Am Anfang wird der Teig sich trennen und ziemlich komisch aussehen. Einfach weiterkneten lassen, bis sich der Teig vollständig von der Schüssel gelöst hat. Das dauert gut und gerne nochmals 10-14 Minuten. Teig aus der Schüssel nehmen, zu einer Kugel formen, rundum in Öl wälzen und wieder in Schüssel legen. Abdecken und etwa 120 Minuten gehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat. Aus der Schüssel nehmen, Teig halbieren und beide Stücke grob länglich formen. Wieder abdecken und 10 Minuten entspannen lassen. Zu etwa 60 cm langen Strängen formen, locker verzöpfeln, mit geölter Folie abdecken und etwa 40 Minuten gehen lassen, bis sich das Volumen um etwa 60% vergrössert hat. Ofen unterdessen auf 220 Grad vorheizen. Den Zopf mit der Milch bepinseln und auf der zweiten Schiene von unten einschieben. Schwaden, Hitze auf 200 Grad reduzieren und 10 Minuten backen. Auf 180 Grad regulieren und weitere 30 Minuten backen. Auf einem Gitter auskühlen lassen und mit Butter, Konfitüre und Käse geniessen.


Donnerstag, 25. Juni 2015

Vin de Noix / Vino alle Noci (Walnusswein aus grünen Walnüssen)



Im Tessin bekommt ein gern gesehener Gast manchmal als Abschluss eines Menüs einen Nocino serviert. Für diesen Digestif werden grüne Walnüsse mit oder ohne Gewürze in Grappa eingelegt, und nach einer variablen Ziehtzeit, die aromatische Flüssigkeit in Flaschen abgefüllt.  


In Südfrankreich und Norditalien hingegen werden grüne Walnüsse lieber in Rotwein als in hochprozentigem Alkohol versenkt. Hat einerseits den Vorteil, dass die Kosten überschaubar bleiben, andererseits kann der mildere Vin de noix auch als Apéritif serviert werden.


Unabdingbare Voraussetzung für einen guten Walnusswein sind ungespritze, weiche Nüsse, d.h. die Schale im Innern darf noch nicht ausgebildet sind. In südlicheren Gegenden gilt die Regel, dass die Ernte unbedingt vor dem 24. Juni erfolgen muss, danach wäre die Schalenbildung zu weit fortgeschritten. Im Norden ist dieses Datum eher als Richtlinie zu verstehen, denn die Erntezeit kann meist bis Anfang Juli (und in manchen Jahren auch noch länger) ausgedehnt werden. Einfach eine Nuss pflücken, durchschneiden und wenn das Messer auf keinen Widerstand stösst, ist alles in Butter.


Für die Verarbeitung empfehlen sich Gummihandschuhe und ein Porzellanteller zum Schneiden, denn der Nusssaft verziert Hände, empfindliche Oberflächen und Plastik- oder Holzbretter mit kaum entfernbaren braunen Flecken. Die Ziehzeit beträgt mindestens einen Monat und maximal drei Monate. Abgefüllt sollte das tiefschwarz gefärbte Gebräu dann nochmals einige Zeit ruhen dürfen. Traditionell wird die erste Flasche am Weihnachtstag geöffnet. Gefällt das Ergebnis, werden noch gleichentags ein paar Fläschchen an Familie und gute Freunde verschenkt, denn Vino alle noci kann nirgendwo gekauft werden und ist deshalb unter Kennern nicht weniger begehrt als ein guter Nocino.

Für vier Flaschen à 0,7 Liter:

  • 24 grüne, mittelgrosse Walnüsse 
  • 180 gr weisser Zucker
  • 75 gr brauner Zucker
  • 1 1/2 Vanilleschoten, ausgekratzt (Mark für etwas anderes verwenden)
  • Schalenstreifen einer grossen Bio-Zitrone
  • 10 Zimtblüten
  • 8 Pimentkörner
  • 3 Wacholderbeeren
  • 3 Gewürznelken
  • 4 mm dicke Scheibe aus der Mitte einer Muskatnuss, fein zerbröselt
  • 2,8 Liter Rotwein (z.B. Sangiovese)
  • 300 ml Grappa 

Walnüsse waschen, abtropfen lassen. Zuerst die Enden kappen, danach in Viertel schneiden. In ein oder mehrere grosse Einmachgläser geben. Zucker, alle Gewürze, Wein und Grappa zugeben bzw. zu gleichen Teilen auf mehrere Gläser verteilen. So lange umrühren oder sanft schütteln, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Gläser gut verschliessen und 40 Tage möglichst an der Sonne stehen lassen. Nach der Ziehzeit absieben, durch einen Kaffeefilter giessen und denn Geschmack eventuell mit etwas Rotwein oder Grappa abrunden. Wer es süsser mag, kann noch mehr Zucker unterrühren. In saubere Flaschen abfüllen, gut verschliessen und an einem dunklen, eher kühlen Plätzchen (z.B. Vorratsschrank, Keller) noch mindestens einen Monat ziehen lassen. Puristen servieren den Wein gut gekühlt. Hipster scheuen sich nicht, bei sommerlichen Temperaturen noch ein paar Eiswürfel ins Glas zu geben. Der Wein sollte bis zur nächsten Walnussernte aufgebraucht werden, was bei seiner Süffigkeit aber keine unlösbare Aufgabe ist. *hicks*


Sonntag, 21. Juni 2015

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -10-


Zum Vergrössern bitte Bild anklicken

[GE]gessen: Salat aus Rüebli und Kohlrabi mit asiatischem Dressing

[GE]trunken: Wasser mit Gurke, Limette und Lapsang Souchong

[GE]kocht: Gebratene Auberginenscheiben mit Sardinensauce

[GE]backen: Maisbrot mit Rosinen 

[GE]wesen: An einem mythischen Ort (siehe Foto)

[GE]sehen: Amadeus von Miloš Forman

[GE]lesen: Tulpenwahn - Die verrückteste Spekulation der Geschichte 
Mike Dash

[GE]gönnt: Zwei Fläschchen Öl aus geröstetem Sesam, kaltgepresst 

[GE]ärgert: 
Über die verbrannte Oberseite des Maisbrotes. 
Statt die Temperatur nach 10 Minuten auf 180 Grad zu senken, 
habe ich den Regler auf 250 Grad hochgedreht und meinen Fehler 
erst bemerkt, als aus der Küche ein unangenehmes Düftchen herüberwehte.
Als nächstes werde ich aus dem Haus gehen und den Herd anlassen. 
Oder den Hund vor der Türe vergessen.
Beängstigend. Sehr beängstigend.

[GE]tan: Einen neuen Sauerteig angesetzt

[GE]hört: Golden Brown - The Stranglers

Freitag, 19. Juni 2015

Aua.....Oder besser gesagt: Aaaaauuuuuaaahh!



19. Mai
Eine freundliche Kooperationsanfrage plus konkrete Vorschläge zur Umsetzung an das Produktmanagement einer kleinen Firma geschickt.


29. Mai
Da unterdessen weder eine Eingangsbestätigung noch eine Antwort eingetrudelt war, eine zweite Anfrage an die info@Mailadresse versendet.


29. Mai, ein paar Stunden später
Prompte Antwort ohne Anrede oder andere Höflichkeitsfloskeln:

"Bitte geben Sie den genauen Wortlaut ihrer Anfrage bekannt. 
Der Sachbearbeiter ist in Urlaub."

Mailumleitungen oder automatische Ferienmeldungen scheinen aus der Mode gekommen zu sein. Kopf geschüttelt und die Anfrage nochmals versendet.


1. Juni
"Besten dank für Ihre Kontaktaufnahme, folgend zwei Links zu weiteren Informationen. Wir hoffen, damit eine Grundlage für einen Beitrag in Ihrem Blog gelegt zu haben. Bitte besuchen Sie auch weiterhin unsere Homepage."

Okaaaayyyyy.... Tröste mich mit dem Gedanken, dass die Dame nur für die Administration zuständig ist.


1. Juni, ein paar Stunden später
Freundliche Antwort entworfen und nochmal verdeutlicht, dass ich keine Informationen zur Firma und den Produkten benötige, sondern es sich um eine 
Produktvorstellungs-/Kooperationsanfrage handelt. 


12. Juni
An alle drei verfügbaren Mailadressen ein weiteres Schreiben geschickt, mit der Bitte um Antwort oder Weiterleitung an den verantwortlichen Mitarbeiter, denn der zuständige Produktmanager scheint ja immer noch in den Ferien zu weilen.


14. Juni
Ein nettes Mail vom Firmengründer ist eingetroffen, in der er mir

a) diverse Links schickt (u.a. die gleichen wie im ersten Mail)
 b) ein Kochbuch empfiehlt
c) noch für einen Kochkurs wirbt
und
d) anbietet, mir Rezeptkarten zuzusenden.

Jippiiieee.... Nur hauchdünn am Thema vorbei....

Meine Antwort (zusammengefasst): 
Mein Schreiben war keine Bitte um Links oder Rezepte, 
sondern eine K-O-O-P-E-R-A-T-I-O-N-S-A-N-F-R-A-G-E. 
Und das hätte man bemerken können, wenn man es G-E-L-E-S-E-N hätte.
Uff! 

Die Sache als erledigt angesehen und gedanklich zu den Akten gelegt.
Bis....


19. Juni 
...ich abends den Briefkasten öffnete und einen Umschlag 
von der Firma Naturkraftwerke darin fand. 
Einziger Inhalt: Ein paar Werbekarten mit Rezepten. 
 (Beiliegende Briefe scheinen auch völlig out zu sein).

Fass übergelaufen! 

 P.S. Mittlerweile haben zwei meiner bevorzugten Biofachgeschäfte Produkte dieser Firma aus dem Sortiment genommen. 

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.


Donnerstag, 18. Juni 2015

Erdbeerkonfitüre mit Bergamotte



Das Beeriland in Bottmingen ist vielen hier in der Gegend ein Begriff, ganz im Gegensatz zum Erdbeerfeld beim Sunnebädli St. Margarethen. Warum eigentlich? Stadtnaher geht es ja kaum. Die Anreise ist ganz einfach: Bei der 2er Tramstation Margarethen aussteigen, die Friedhofstrasse hoch und dann den Schildern nach. Oder man fährt mit dem 15er bis zur Haltestelle Studio Basel und folgt der Strasse, die rechts am berühmten Restaurant Stucki vorbeiführt. Vorbei am SRF-Studio auf der linken Seite, noch ein Stück weiter und dann beim Feld rechts einbiegen. Ist doch gar nicht schwer zu finden, oder? 

Die gelb-grünen Früchtchen rechts im Bild sind Bergamotten

Ein Kilo der dort geernteten Früchte endete zusammen mit eingefrorenem Rhabarber im Topf und wurde zu Erdbeer-Rhabarber-Konfitüre mit Vanille. Dem zweiten Kilo erging es ähnlich, es transformierte sich mit Birnel zu Erdbeer-Rhabarber-Kompott. Ein weiteres Kilo verbrachte einige Stunden im Dörrer. Die getrockneten Stücke werden im Herbst und Winter im Müesli, und vielleicht auch in einem Keksteig landen. Blieb noch etwas mehr als ein Kilo im Korb, welches ebenfalls zu Konfitüre verarbeitet wurde. Und zwar zum zweiten Batch Erdbeer-Bergamotte-Konfitüre. Im Januar hatte ich ja das unverhoffte Glück gehabt, in einem italienischen Supermarkt über frische Bergamotten zu stolpern. Zehn davon durften in den Einkaufskorb, zusammen mit einigen sizilianischen Blutorangen und ligurischen Kumquats. Wieder zu Hause, habe ich die Schalen fein abgerieben und im Tiefkühler zwischengelagert. Bergamotteabrieb ist so hocharomatisch, dass nur wenige Gramm für ein ganzes Kilo Konfitüre reichen. Bloss nicht nach dem Motto "Viel hilft viel" dosieren, das Ergebnis würde nur noch als Badezusatz taugen. 


Für 4 Gläser à 250 ml und 1 Glas à 150 ml:

  • 1,1 Kilo Erdbeeren, geputzt gewogen
  • Saft einer kleinen Orange
  • 550 gr Bio-Gelierzucker 2:1
  • 1 El / 3 gr fein abgeriebene Bergamotteschale (aus dem TK, von 1-2 Früchten)*

Erdbeeren in Scheiben schneiden, mit Orangensaft und Zucker vermischen und 3 Stunden im Topf Saft ziehen lassen. Alles fein pürieren, Bergamotteschale zugeben und langsam zum Kochen bringen. Dabei ständig rühren, fleissig abschäumen und 6 Minuten sprudelnd kochen lassen. Heiss in die ausgekochten Gläser füllen, gut verschliessen und unter einer Decke auskühlen lassen. Haltbarkeit, wenn sauber gearbeitet wurde: Mindestens 6 Monate. Und nicht mit Earl-Grey-Tee zusammen servieren, das ist ein geschmacklicher Overkill. 

*Eventuell die Schale zusammen mit einem Teelöffel Zucker im Mörser zerstossen, die Stücke sollten wirklich winzig sein. 


Dienstag, 16. Juni 2015

Apple Pie Müesli aus dem Slow Cooker (vegan)



Eine politische Diskussion im Hause C. verläuft meist ziemlich harmonisch, da wir uns bei den meisten Punkten einig sind. Aber beim Thema Flocken, Porridge, Birchermüesli, Oatmeal, Overnight Oats & Co., geht es am Frühstückstisch zu wie im türkischen Parlament. Herr C. steht auf Urporridge, das nur aus in Wasser gekochten Haferflocken besteht. Noch ein Stückchen Butter auf den Matsch und er ist glücklich. Ich kriege die Krätze, wenn ich das Zeug nur anschauen muss. Dachpappenpampe. Bäh. Milch oder Fruchtsaft muss es für mich sein. Und das ist auch nur die Mindestanforderung. Gerne wechsle ich zwischen Hafer-, Gerste-, Roggen-, UrDinkel-, Kamut- und Emmerflocken. Oft vermischt mit Gewürzen wie Zimt, Vanille oder Kardamom, dazu noch ein paar Fruchtstücke und einen Spritzer Ahornsirup. Herr C. greift in so einem Fall zum Knäckebrot, weil ihm das alles viel zu exotisch ist. Er streikt ja schon, wenn ich das Birchermüesli mit Erdmandelflocken statt Haselnüssen oder Limetten- statt Zitronensaft zusammenrühre. Meine Drohung, ihm von jetzt an nur noch Aufbackbrötchen vorzusetzen, hat er mit einem freudigen Lächeln aufgenommen. Wie sagt man so schön? Perlen vor die Säue. *soifz* Glücklicherweise habe ich vor einigen Wochen eine Methode entdeckt, wie ich ohne grossen Aufwand und tägliche Kocherei zu meinem bevorzugten Frühstück komme. Am Sonntag das Müesli im Slow Cooker zubereiten, abkühlen lassen, in fünf kleine Weckgläser füllen, im Kühlschrank lagern und an den folgenden Tagen kalt essen oder kurz aufwärmen. Herr C. kriegt der Einfachheit halber Knäckebrot vor die Nase gestellt. Wer nicht will, der hat gehabt. So. 


Für 4-6 Portionen:

  • 2 grosse, säuerliche Äpfel (zusammen ca. 400 gr)
  • Saft einer kleinen halben Zitrone 
  • 1/2 Tl Zimtpulver
  • 1/4 Tl gemahlener Cassiazimt
  • 3 Msp Nelkenpulver
  • 2 Msp frisch geriebene Muskatnuss
  • 1 Prise Salz
  • 500 ml Wasser
  • 500 ml Apfelsaft
  • 200 gr Müslimischung mit Früchten und Nüssen (z.B. von Allos, enthält allerdings Honig)*
  • Süssungsmittel wie Birnel, Ahorn- oder Dattelsirup (optional, ich nehme 2 El Birnel )

Äpfel waschen, ggf. schälen, vierteln, Gehäuse und Fliege entfernen. Jedes Viertel zuerst der Länge und dann der Breite nach drei Mal durchschneiden (= jeweils 9 Stücke). Zusammen mit dem Zitronensaft und allen Gewürzen in den Einsatz geben, Deckel auflegen und zum Vorwärmen auf HIGH stellen. Wasser und Apfelsaft in einem Topf zum Kochen bringen. Sobald die Flüssigkeit zu blubbern beginnt, Müslimischung über die Apfelstücke streuen. Mit dem kochenden Apfelwasser übergiessen, Deckel wieder auflegen und eine halbe Stunde auf HIGH lassen. Danach auf LOW umschalten. 

Nach insgesamt 90 Minuten hat das Müesli die von mir gewünschte Konsistenz erreicht. Es ist dickflüssig-crèmig und die Apfelstücke haben noch Biss. Wer weichgekochte Apfelstücke bevorzugt, sollte sie also kleiner schneiden. Nach Belieben süssen und/oder nachwürzen. Abkühlen lassen und dann in dickwandige Marmeladegläser (z.B. von Weck) umfüllen und maximal fünf Tage im Kühlschrank lagern. Aufwärmen kann man es samt Glas im Wasserbad. Oder ohne Glas in einem Kochtopf oder der Mikrowelle. Kalt oder warm mit frischen Früchten, Milch, Sahne, Ahornsirup oder ohne alles servieren. 


* Ersetzen durch:
120 gr Flocken (Hafer, Dinkel, Gerste, Roggen, Kamut, Emmer) oder eine Mischung daraus
30 gr gepuffter Amaranth
30 gr getrocknete Früchte wie Rosinen, Aprikosen, Datteln, Feigen, Beeren
20 gr gehobelte Mandeln, gehackte Haselnüsse oder Erdmandelflocken


Sonntag, 14. Juni 2015

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -9-



[GE]gessen: Schüsselweise Soooolaaat aus dem Garten

[GE]trunken: Agua de Jamaica (kalter Hibiskustee mit Zimt)

[GE]kocht: Traubenpaste aus Uva Fragola Saft 

[GE]backen: Briyoş mit Mahlep

[GE]wesen: Leider nur gedanklich bei den Wahlen in der Türkei

[GE]sehen: The Imitation Game mit Benedict Cumberbatch

[GE]lesen: Arabesk - Barbara Nadel

[GE]freut: Über den Einzug der HDP ins türkische Parlament! *jubel*

[GE]ärgert: Basels bester Thai-Take-Away schliesst. *heul*

[GE]kauft: Lila Blumenkohl Setzlinge

[GE]hört: Here I go again - Whitesnake

[GE]trauert:
Um Christopher Lee. 
Seine Filme haben meine Kindheit 
um viele wohlige Gruselmomente bereichert.


Freitag, 12. Juni 2015

Buchvorstellung: Cicchetti & andere italienische Kleinigkeiten



Kein Sommer ohne Tapas und Meze. Egal ob zu Hause oder im Restaurant, die kleinen Häppchen sind in den letzten Jahren richtig hip geworden. Cicchetti und Stuzzichini hingegen führen immer noch ein Schattendasein. Vergesst die oft labbrigen, langweiligen Tramezzini, fettigen Arancini oder gummigen Polpette. Italienisches Fingerfood muss sich keineswegs hinter seinen berühmten Verwandten aus Spanien und dem Orient verstecken. Auf über 250 Seiten haben die beiden Autorinnen Lindy Wildsmith und Valentina Sforza die besten Gerichte en miniature aus ganz Italien zusammengetragen. Cicchetti heisst das Werk und ist das erste Kompendium zu diesem Thema, welches auf Deutsch erschienen ist.

Erster Eindruck:
Das Cover finde ich jetzt nicht soooo wahnsinnig ansprechend. Dunkelbraun assoziiere ich automatisch mit Herbst/Jagdsaison und ein schwarzes Band mit Trauernachrichten. Helle, frische Farben und ein sommerlich gedeckter Tisch hätten meiner Meinung nach besser gepasst. Die ganzseitigen Fotos im Innern gefallen mir schon wesentlich besser, auch wenn leider nur etwa die Hälfte der Rezepte bebildert ist. Die Seiten sind farbig hinterlegt, was der Lesbarkeit aber keinen Abbruch tut.

Inhalt:
Nach der Einleitung folgt gleich eine Anleitung, wie die Gerichte gehandhabt werden sollten. Venezianische Cicchetti sind eine Besonderheit, denn meist sind sie nur innerhalb der Stadtgrenze zu finden. In der Umgebung, dem Veneto, stehen dafür ganz andere Kleinigkeiten auf den Speisekarten. Cicchetti sind ausserdem keine Solokünstler, sondern immer Teil einer aufeinander abgestimmten Auswahl. In den anderen Regionen Italiens werden die Häppchen Stuzzichini genannt und sind eher bodenständig. Sie sind oft sättigender und werden in der Regel einzeln serviert. Viele der vorgestellten Rezepte sind verkleinerte Gerichte der jeweiligen Regionalküche und können auch als Vorspeise gereicht werden. Oder man ergänzt sie mit Salat zu einem kleinen, aber feinen Mittag- oder Abendessen. Den Anfang macht der venezianische Teil des Buches. Die Kapitel sind unterteilt in Pescheria (Fisch & Meeresfrüchte), La Drogheria (Käse, Wurst, Eier), L'Erbaria (Gemüse), La Beccheria (Fleisch) und Il Bacaro (Getränke).

Torta pasqualina ohne Teigdeckel

Der zweite Teil nimmt uns mit auf eine kulinarische Reise durch die restlichen Regionen Italiens. Abruzzen & Molise sind beispielsweise vertreten mit Cipolline al cacao (mit Kakao bestäubte Perlzwiebeln), die Basilikata mit feinen Ciauredda (pikante Gemüsecrostini) und Kalabrien mit Involtini di melanzane (gefüllte Auberginenröllchen). In Apulien machen wir einen Halt für Pizzelle di cozze (Miesmuscheln mit Basilikum) und in Kampanien dürfen wir uns die Uova stracciate alla napoletana (Omelette mit Anchovis und Tomaten) nicht entgehen lassen. Die Gegend um Rom, Latium, ist berühmt für ihre Lebergerichte, wie beispielsweise Fegato ripieno all'antica Roma (mit Feigen gefüllte Leberröllchen). Auf Sizilien sind Capperi fritti (frittierte Kapern) ein beliebter Snack zu kühlem Weisswein, auf Sardinien greift man lieber zu Empanadas di pesce (Fischpastetchen). In der Toskana lassen wir die altbekannten Crostini für einmal links liegen und wenden uns lieber der Torta di nasello (Seehechtcake) zu. Aus Umbrien kommen die Arvoltori di Perugia (Pfannkuchen mit Pancetta und Rosmarin), die nur noch knapp ein Plätzchen im Magen finden. Darum packen wir in der Emiglia-Romagna die Biscotti al parmigiano (Parmesankekse) für später ein und bedauern, dass uns in Ligurien die Erbe Fritte (frittierte Kräuter) entgehen werden. Die lombardischen Crostatine di zucca (Kürbistartelettes) fallen saisonbedingt aus, dafür gönnen wir uns im Piemont noch eine Scheibe Focaccia di Patate (Kartoffelfocaccia), und im Trentino die Tortellini con crauti (Krauttörtchen), weil "crauti" einfach so niedlich tönt. Noch schnell im Friaul ein paar Mandorle speziato (Gewürzmandeln) verdrücken, und zum Abschluss gönnen wir uns Tortino di acciughe con verdura (Tarte mit Anchovis und Gemüse) aus den Marken. Wer jetzt noch einen Espresso schafft, hat gewonnen. :-)

Tortine al formaggio di Campobasso 

Was meint der Magen?
Herr C. befand die Torta pasqualina in der abgespeckten, sommerlichen Version mit Blätterteig für wiederholungswürdig. Der mit Gorgonzola überbackene Chicorée (statt Radicchio) bekam ebenfalls seine ungeteilte Zustimmung. Die Spargelmayonnaise mit gehacktem Ei auf Baguette gefiel uns beiden sehr gut, genau so wie die Käsetaschen mit Ricotta-Minze-Füllung. Bei diesem Gebäck musste ich allerdings auf einen anderen Teig ausweichen, da ich die Tortine im Ofen gebacken und nicht frittiert habe. Ausserdem begeisterte mich die Polenta mit Wurst und Kohl, die wegen ihrer Üppigkeit aber als Hauptgericht einzustufen ist. Den Abschluss des Testmenüs bildete ein mit Kümmel aromatisierter Grappa, der den Herrn des Hauses zu einem mittelschweren Hustanfall nötigte. Interessante Kombination, aber der Negroni aus Vermouth, Campari und Gin kam bei uns als Digestif wesentlich besser an.

Fazit:
Trotz der grossen Bandbreite der Gerichte, finde ich die im Buch enthaltenen Rezepte generell zu fleisch- und fischlastig. Mehr vegetarische und vegane Häppchen wären nicht verkehrt gewesen, ebenso eine durchgehende Reduzierung der Hefemengen und ein Register mit den italienischen Bezeichnungen. Alles in allem ein hübsches, empfehlenswertes Kochbuch für (fast) alle Gelegenheiten.

Zum Abschluss noch das Kleingedruckte: Die in dieser Rezension geäusserten Ansichten und Meinungen sind zu 100% die Meinigen und wurden von niemandem beeinflusst.      
Einen ganz herzlichen Dank an den Jacoby & Stuart Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.


Mittwoch, 10. Juni 2015

Jetzt aber zackig! In 10 Minuten gibt's Kanda Poha!



Kanda Poha ist ein indisches Allroundgericht. Viele mögen es als Frühstück, da die Zubereitung schnell und unkompliziert ist. Aber auch als Snack oder kleines Mittagessen ist es beliebt, etwa vergleichbar mit den belegten Brötchen in Mitteleuropa. Eine weit verbreitete, sättigendere Variante davon nennt sich Batata Poha und wird mit gebratenen Kartoffelstücken ergänzt. Beide Gerichte passen wunderbar zu grünem Salat, sind innerhalb von 10 Minuten servierbereit, kosten nicht die Welt und beamen mich direkt nach Mumbai. Dagegen kommt kein indischer Lieferservice an. Meine Version muss allerdings ohne Curryblätter und Chilis auskommen, da Herr C. gegen beides eine Abneigung hegt. Ich weiss, dass Currypulver kein adäquater Ersatz ist, aber ein schlechter Kompromiss ist immer noch besser als gar keiner. Wer ganz schweinisch drauf ist, fügt beim Braten noch einen Schuss Fischsauce zu. Diese streng riechende Komponente darf ich hingegen ohne Einschränkungen einsetzen. Verstehe einer die Männer...


Pro Person:

  • 1 Tasse / 50 gr indische Reisflocken, medium (z.B. von TRS)
  • 1 El Ghee oder Rapsöl
  • 1 Tl schwarze Senfkörner
  • 1 El rohe Erdnüsse oder Cashews, nach Belieben grob gehackt
  • 1 grosse Schalotte oder eine kleine Zwiebel, fein gehackt
  • 1/2 Tl Kurkumapulver
  • 1/2 Tl scharfes Currypulver
  • 1 Handvoll TK-Erbsen
  • 1/2 Tl fein geriebener Palmzucker
  • 2-3 Prisen getrocknete Bockshornkleeblätter (oder Zigerklee) 
  • Salz
  • ein Limettenviertel

Reisflocken in ein Sieb geben und eine Minute lang mit kaltem Wasser überbrausen. Bei diesem Vorgang werden die Flocken gewaschen und können gleichzeitig die benötigte Menge Feuchtigkeit aufnehmen. Sieb auf einer Schüssel platzieren, damit das überflüssige Wasser abtropfen kann. Die Flocken 5 Minuten quellen lassen. Dabei die Uhr im Auge behalten, denn wenn die Flocken länger als 10 Minuten aufquellen, werden sie matschig und das Poha breiig. Unterdessen das Ghee in einem Wok oder einer Pfanne mit hohem Rand auf mittlerer Stufe erhitzen. Senfkörner zugeben und rührbraten, bis sie zu poppen beginnen. Nüsse hineingeben, eine Minute mitbraten. Rein mit den Schalottenstückchen und 1-2 Minuten rührbraten, bis sie anfangen zu bräunen. Mit Kurkuma und Currypulver bestäuben, kurz durchrühren. Erbsen rein, rühren. Palmzucker rein, rühren. Flocken rein, rühren. Mit zwei Esslöffeln Wasser beprenkeln, damit sich alles gut vermischt. Bockshornkleeblätter darüber krümeln, Hitze herunterdrehen (oder bei einem Elektroherd ganz abschalten), salzen und weitere 2-3 Minuten rührbraten. Mit Limettensaft abschmecken und wer's mag, mit gehacktem Koriander servieren.  


Montag, 8. Juni 2015

Fruchtiger Holunderblütensirup



Am nächsten Sonntag werde ich die Seiten wechseln und nach langer, langer Zeit wieder einmal hinter einem Flohmarktstand Platz nehmen. Neben all den schönen Dingen, von denen ich mich teilweise schweren Herzens trenne (die Schrankkapazitäten sind überschritten), werde ich auch hausgemachte Konfitüre und Holunderblütensirup zum Kauf anbieten. Das Rezept für den Sirup wollte ich schon vorletztes Jahr veröffentlichen, aber wie das oft so ist: Aus den Augen, aus dem Sinn. Und letztes Jahr machte mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Der andauernde Regen verwandelte fast alle Dolden von U.'s riesigem Holunderbaum in braun getüpfelten Blütenmatsch. Einige Wochen danach konnte ich dafür massenhaft grünen Beeren ernten, die dann als Holunderkapern endeten. Notiz an mich: Dieses Rezept harrt übrigens auch noch seiner Veröffentlichung.... Anyway, hier ist die Anleitung für den intensivsten, fruchtigsten Holunderblütensirup, den ihr euch vorstellen könnt. Das Geheimnis? Mehr Dolden, mehr Zitrussaft, weniger Ziehzeit, weniger Zitronensäure und weniger Zucker. Die Haltbarkeit wird davon übrigens nicht beeinträchtigt, die letzte Flasche des Jahres 2013 haben wir im Februar geleert. 

Für 2,5 Liter:

  • ca. 60 Blütendolden (eine halbe Papiertüte voll)
  • 2,5 Liter kaltes Wasser
  • eine kleine Bio-Zitrone 
  • eine kleine Bio-Orange

Dolden gründlich auf Insektenbefall kontrollieren, ggf. sanft ausschütteln und die dicksten Stiele entfernen. Bloss nicht waschen, denn mit dem Wasser würde der Hauptakteur der Geschichte, der Blütenstaub, im Ausguss verschwinden. Blüten auf weissen Geschirrtüchern oder ein paar Bahnen Küchenpapier ausbreiten. Nach einer halben Stunde sollten sich alle eventuell noch vorhandenen Krabbelviecher auf die Tücher begeben haben. Weiss zieht sie nämlich magisch an. Unterdessen grosse Einmachgläser (z.B. 2 x 1,5 Liter) oder eine entsprechend grosse Salatschüssel aus Glas oder Porzellan bereit stellen. Blüten in die Gläser oder die Schüssel schichten. Mit dem kalten Wasser bis etwa 3 cm unter den Rand auffüllen. Orange und Zitrone unter fliessendem heissen Wasser abbürsten, trocken tupfen und in dünne Scheiben schneiden. Die Endstücke entsorgen, nur die Scheiben mit Fruchtfleischanteil verwenden. Die Oberfläche mit den Zitrusscheiben abdecken, damit alle Blüten unter Wasser bleiben. 24 Stunden (maximal 48 Stunden, und nur im Notfall!) an einem kühlen Plätzchen ohne direkte Sonneneinstrahlung ziehen lassen. Das Wasser sollte am Ende hellgelb und gesättigt mit dem Holunderblütenduft sein. Zitrusscheiben mit einer Gabel herausfischen, dann durch ein Sieb giessen. Das Holunderblütenwasser noch durch ein Geléetuch oder einen Nussmilchbeutel filtern (keine Kaffeefilter aus Papier verwenden), um eine möglichst klare Basis zu erhalten.  

Wichtig: Wenn das Blütenwasser so trüb wie im linken Glas aussieht, ist es übergekippt 
bzw. hat angefangen zu fermentieren. Es riecht dann säuerlich und muss entsorgt werden.

Zweiter Teil:

  • 2 Liter Blütenwasser
  • 1,4 kg Zucker
  • Saft zweier Zitronen
  • Saft einer Orange 
  • 5,5 gr Zitronensäure

Blütenwasser, Zucker, durchgesiebter Zitrussaft (zusammengenommen etwa 200 ml) und Zitronensäure in einen grossen Topf geben. Zum Kochen bringen, ab und zu umrühren nicht vergessen. Fünf Minuten sprudelnd kochen lassen. Sofort in die sterilisierten, vorgewärmten Flaschen abfüllen. Gut verschliessen und unter einer Decke auskühlen lassen. Wenn sauber gearbeitet wurde, hält sich der Sirup locker ein Jahr und länger. Nach dem Anbruch im Kühlschrank lagern und bald verbrauchen.


Sonntag, 7. Juni 2015

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -8-



[GE]gessen: Salat mit gebratenem Spargel, Paprika und Sprossen

[GE]trunken: Cold Brew Rooibostea

[GE]grillt: Marinierte Lammnierstücke 

[GE]backen: Tessinerbrot mit Roggenmehl und Sonnenblumenkernen

[GE]wesen: Langweiligerweise schon wieder nur im Garten

[GE]sehen: Die glorreichen Sieben
       Ob in Chaps, auf einem Motorrad oder in einem Ford Mustang:           Hauptsache Steve McQueen

[GE]lesen: Der Tanz der Möwe - Andrea Camilleri

[GE]freut: Massenhaft Portulak und die ersten gelben Himbeeren

[GE]ärgert: 
Über den vermaledeiten Ratschlag einer amerikanischen Bloggerin: 
Backpapier zuerst befeuchten, dann zusammenknüllen und die 
gewünschte Brotbackform damit easy peasy auslegen. 
Kein Zuschneiden, kein kompliziertes Falten mehr nötig. 
Ergebnis: Das Backpapier liess sich nach dem Backen nicht 
mehr vom Brot trennen. Vier Tagen lang Brotscheiben ohne Kruste. 
Super Sache...

[GE]kauft: Ayurvedische Zahnpasta mit Gewürznelkenöl
(Love it! Als nächstes steht die mit Basilikum auf dem Programm)

[GE]hört:  Simply Irresistible - Robert Palmer

[GE]lacht: 
Ziemlich oft bei "Ziemlich beste Freunde", 
u.a. bei der Duschszene. :D


Freitag, 5. Juni 2015

Melihus - Dorfmuseum Möhlin


Am Sonntag noch nichts vor? Lust auf einen Abstecher ins späte 19. / frühe 20. Jahrhundert?
Ein bisschen Aargauer Geschichte zum Anfassen gefällig? 
Dann möchte ich euch den Besuch des Dorfmuseums Möhlin ans Herz legen.

Wohnhaus und Scheune

Die gute Stube mit Kachelofen

Küche mit Backtrog

Der letzte Schrei in Sachen Herd um 1900

Originale Küchenutensilien en masse

Abwaschbecken mit direktem Ablauf in den Garten

Schlafkammern mit Waschkrug und -schüssel statt angrenzendem Badezimmer

Übergang zur Scheune

Geschirr aus der seit 1957 geschlossenen Steingutfabrik Möhlin

Unter dem Dach werden verschiedenste Maschinen und Werkzeuge gezeigt

Schön geordnet nach Handwerk

Auch hier alles Originale, die über viele Jahre hinweg zusammengetragen wurden

Die Infotafeln dürften definitiv etwas ausführlicher sein.
Aber die anwesenden Museumsdamen schliessen gerne 
jegliche Wissenslücken zu den ausgestellten Stücken.

Der frühere Heuboden

Bäuerliche Werkzeuge und Leiterwagen

In die Scheune eingebauter Schweinestall

Obwohl die Tiere mit minimaler Licht- und Frischluftzufuhr auskommen mussten, hatten sie doch ein angenehmeres Leben, als die vielen in Mastfabriken zusammengepferchten Schweine unserer Tage.

Kuhstall mit Futterdurchreichen

Wieso kommt mir diese Problematik bloss so bekannt vor? ;-)

Der Eintritt ist frei, Spenden sind aber sehr willkommen. 
Geöffnet ist das Museum am 7. Juni von 14:00-16:00 Uhr.
Bloss nicht zögern, denn erst am 6. September bietet sich die
nächste Gelegenheit zu einem tollen Ausflug in Möhlins Vergangenheit.


Donnerstag, 4. Juni 2015

Kosovarisches Ajvar



Drei Jahre nach Beendigung des Kosovo-Krieges, bereiste ich dieses kleine Land und durfte dabei nicht nur unglaublich freundliche, offene Menschen kennenlernen, sondern auch diverse landestypische Spezialitäten. Oft wurden wir spontan eingeladen, obwohl die meisten Leute nicht wussten, wie sie uns überhaupt verköstigen sollten. Es fehlte an allen Ecken und Enden. An einem Tag wurde der Strom für einige Stunden unterbrochen, am nächsten Tag die Wasserzufuhr. Fleisch war für ganz spezielle Gelegenheiten vorbehalten. Kein Wunder, denn für den Preis eines Huhns hätte man sich auch ein Monatsticket für den Überlandbus kaufen können. Gemüse und Obst wurden meist über den Gartenzaun hinweg getauscht. Es gab nur, was gerade Saison hatte. Dazu reichlich Weissbrot, unsere Gastgeber rechneten immer mit einem ganzen Laib pro Person und Hauptmahlzeit. Damit wurden sämtliche Gerichte "gestreckt", denn Brot war spottbillig. Alle entschuldigten sich unentwegt für das ärmliche Essen, welches in ihren Augen für Gäste absolut unzureichend war. Furchtbar beschämt, beeilte ich mich immer (hoffentlich glaubhaft) zu versichern, dass die mit mir geteilten Speisen köstlich und mehr als angemessen seien. (Und glücklicherweise musste ich nur ein einziges Mal schwindeln, die Bananencrèmetorte schmeckte wirklich nach Rasierschaum).

Zwei Gerichte sind mir dabei ganz speziell im Gedächtnis geblieben. In Hühnerfett gebratene Kartoffeln und das vorher gereichte Ajvar. Natürlich mit Gemüse aus dem eigenen Garten zubereitet, serviert mit Schafskäse von der Nachbarin. Wir sassen auf Bodenkissen, rissen kleine Stücke vom obligatorischen Weissbrot ab, tunkten es in die grosse Schale voller Dip und genossen dazu ein Stückchen bröckeligen, scharf-salzigen Feta. Das Rezept wurde freudig geteilt, allerdings ohne Mengenangaben, denn die Köchin hantierte ohne Waage oder Messbecher in ihrer winzigen Küche mit Holzherd. Ein bisschen von dem, ein bisschen hiervon und bloss nicht zuviel davon. Es kostete mich beinahe ein Jahrzehnt, bis ich hinter die richtigen Mengen und die beste Vorgehensweise kam. Eigentlich bereite ich es nur im Sommer zu, wenn ich möglichst viele Zutaten aus unserem Garten verarbeiten kann. Doch gestern musste es einfach dieser Dip sein, nichts anderes hätte zu dem guten Brot und dem eisgekühlten Peja-Bier gepasst. 


Für 4 Personen als Vorspeise oder für 8 als Apéro:

  • 1 Aubergine, ca. 320 gr
  • 2 rote Spitzpaprikas, ca. 250 gr
  • 8 Cherrytomaten, ca. 120 gr
  • 1 mittlere Zwiebel, ca. 70 gr
  • 3 grosse Knoblauchzehen, geschält und mit dem Messerrücken zerdrückt
  • 1 grosszügiger Schuss Olivenöl
  • ca. 1/2 Tl grobes Meersalz
  • 1/2 Tl türkische oder ungarische Paprikapaste
  • Pfeffer, Sumach
  • 1 Tl Granatapfelmelasse (z.B. von Chtoura

Gemüse waschen, putzen und in kirschgrosse Stücke schneiden. Möglichst in einer Lage in einer kleinen Auflaufform (ich nehme dafür meine Brownieform) verteilen. Mit Olivenöl übergiessen, gut durchmischen, salzen und auf der mittleren Schiene bei 220 Grad etwa 35-40 Minuten backen. Zwischendurch 3-4 mal umrühren, damit nichts anbrennt. Die Stücke sollten weich und stellenweise gebräunt sein. Aus dem Ofen holen, etwa 20 Minuten abkühlen lassen, in den Mixbecher schaufeln und nicht ganz glatt pürieren. Mit Paprikapaste, Pfeffer, Sumach, Granatapfelmelasse und evt. mehr Salz abschmecken. Mit frischem Bauern- oder Sauerteigbrot und einem Schälchen zerkrümeltem Schafskäse zum Bestreuen servieren. Im Kühlschrank aufbewahrt, hält sich das Ajvar etwa eine Woche.