Samstag, 12. April 2014

Kapern aus Löwenzahnknospen



Als Gartenbesitzer ist man bis in den späten Herbst dazu verdammt, unablässig Unkraut zu jäten. Wer regelmässig die grossen Exemplare ausreisst und kleine Sprösslinge unterharkt, kommt mit einem verhältnismässig erträglichen Arbeitsaufwand davon. Lustig wird's, wenn jahrelang (fast) nichts getan wird und irgendwann jeder Zentimeter mit Unkraut zugewuchert ist. Beim Nachbargarten ist genau das der Fall. Flächendeckendes Grün ist ja ganz nett anzuschauen, aber die absolute Hölle, wenn alles zu blühen beginnt und sich kurze Zeit später fröhlich versamt. Die geballte Ladung landet allzu oft, dank dem Wind, auf unseren Beeten und sichert uns so rund um's Jahr Nachschub an unerwünschten Invasoren. 


Der Löwenzahn ist dabei unser ärgster Feind. Kaum habe ich ihn bei uns ausgerottet, fängt er drüben en masse an zu blühen und ein paar Tage später ist die Luft voll von herübertrudelnden Samen. Es gibt genau zwei Möglichkeiten, dem zu entkommen: Blüten nebenan rechtzeitig köpfen oder früh genug die Knospen rausstechen bzw. abknipsen. Natürlich ist die erste Variante viel schneller und einfacher auszuführen. Doch wenn ich es rechtzeitig vor der Hauptblüte schaffe, bevorzuge ich die zweite Methode. Die noch dicht in der Rosette sitzenden Knospen (siehe Foto) sind kleiner und fester, dafür können sie nur schlecht ohne Ausstecher oder Rüstmesser gesammelt werden. Diejenigen, die schon auf Stängeln thronen, sind nach dem Einlegen etwas schwammiger, aber auch leichter zu ernten. Unbedingt darauf achten, dass die Knospen noch fest verschlossen sind, sonst öffnen sie sich beim Kochen. Verblüffenderweise stehen sie in Geschmack und Konsistenz richtigen Kapern in keiner Weise nach und können in vielen Rezepten untereinander ausgetauscht werden. Je länger die Kapern ziehen dürfen, desto aromatischer werden sie. 


Für vier Gläser à 125 ml Füllmenge:

  • 280 gr Löwenzahnknospen 
  • 3 El & 1 Tl & 1 El feines Meersalz
  • 375 ml Weissweinessig
  • 125 ml Wasser oder Weisswein 
  • 2 leicht gehäufte Tl Zucker
  • 12 schwarze Pfefferkörner
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 grosses Lorbeerblatt

Erdnah gesammelte Knospen gründlich von der weissen, flauschigen Umhüllung auf der Unterseite befreien. Bei weiter oben geernteten Knospen die abstehenden kleinen Blättchen und eventuelle Stengelreste entfernen. In ein Sieb geben und gut abbrausen. Einige Minuten abtropfen lassen. Unterdessen eine Glasflasche mit weitem Hals (z.B. eine gründlich ausgespülte Milchflasche) zur Hälfte mit kaltem Wasser füllen. Drei Esslöffel Salz in die Flasche geben und so lange schütteln, bis es vollständig aufgelöst ist. Löwenzahnknospen in die Flasche füllen, kurz durchschütteln. Ein paar werden auf dem Wasser schwimmen, diese mit dem übrigen Teelöffel Salz bestreuen. Flasche mit Deckel oder Klarsichtfolie verschliessen und 24 Stunden bei Zimmertemperatur stehen lassen.

Am nächsten Tag die Knospen in ein Sieb schütten und kurz abtropfen lassen. Unterdessen in einem Topf einen halben Liter Wasser mit dem restlichen Esslöffel Salz zum Kochen bringen. Knospen ins kochende Wasser geben und einmal aufkochen lassen. Sofort abschütten und im Sieb gut abtropfen lassen. Gewürze in die sterilisierten Gläser verteilen. Ich nehme je 3 Pfefferkörner, einen kleinen Schnitz Knoblauch und 1/4 Lorbeerblatt pro Glas mit 125 ml Füllmenge. Knospen mit einem Löffel in die Gläser verteilen. Essig mit Wasser oder Weisswein und Zucker aufkochen. Eine Minute sprudelnd kochen und sofort in die Gläser giessen. Sie sollten bis knapp unter den Rand mit Flüssigkeit gefüllt sein. Gut verschliessen und die Löwenzahnkapern mindestens zwei Wochen (besser 2-3 Monate) ruhen lassen.

Anmerkungen: Die Gewürze können natürlich ganz nach Belieben zusammengestellt werden. Passen würden sicher auch Chilischoten, Senfkörner, Piment oder Wacholder. Wenn sauber gearbeitet wurde, sind die Kapern mindestens ein Jahr haltbar. Nach dem Öffnen bitte im Kühlschrank lagern. 

Mein Beitrag zum Event "Aprilfrisch", wo Gerichte mit saisonalen & regionalen Zutaten gesammelt werden. 


Aprilfrisch - das regionale Event von S-Küche (Einsendeschluss 1. Mai 2014)

Und dann noch rüber damit zum Gärtnerblog, dort sind gerade Rezepte mit Löwenzahn gefragt.

Garten-Koch-Event April 2014: Löwenzahn [30.04.2014]


Donnerstag, 10. April 2014

Farina Bona Topfbrot



Seit ich Farina bona (mehr darüber in diesem Post) für mich entdeckt habe, steht immer ein Päckchen davon im Schrank. Entweder besorge ich es selbst im Tessin oder lasse es mir zur Überbrückung auch schon mal aus Zürich mitbringen, denn ich bin regelrecht süchtig nach dem süsslichen, popcornartigen Geschmack, der auch wunderbar zu salzigen Speisen passt.


Letzte Woche entdeckte ich im Vorratsschrank noch ein halbes Päckchen mit Ablaufdatum April 2014. Verpackung geöffnet, daran geschnuppert, einen Löffel voll gekostet und festgestellt, dass es immer noch 1A ist. Trotzdem wollte ich es zeitnah verbrauchen. Für Suppe war es an dem Tag zu warm, auf Kekse hatte ich keine Lust und als Dessert gab es schon etwas anderes. Aber warum nicht ein Brot daraus backen? Passend zum Maismehl aus dem Onsernonetal, nahm ich noch Semola rimacinata aus Italien um dem Brot ein bisschen mehr südliches Flair und eine gefällige Farbe zu verpassen. Eine wunderbar nussig schmeckende Krume, eine krachende Kruste und lange Haltbarkeit waren die Belohnung.


Für einen grossen Laib:

  • 500 gr Weizenmehl Typ 550
  • 140 gr Semola rimacinata (ersatzweise griffiges Hartweizenmehl)
  • 110 gr Farina bona
  • 3 gr Trockenhefe 
  • 14 gr Salz
  • 610 gr lauwarmes Wasser
  • Raps- oder Olivenöl

Alle drei Mehlsorten mit der Trockenhefe in der Schüssel der Küchenmaschine vermischen. In der Mitte eine Kuhle formen, Salz und Wasser hineingeben. Maschine mit dem Knethaken versehen und 5 Minuten auf Stufe 2, danach 5 Minuten auf Stufe 4 kneten lassen. Nach 10 Minuten sollte sich der Teig von der Schüssel gelöst haben, ist aber immer noch sehr weich. Abdecken und 120 Minuten an einem warmen Plätzchen gehen lassen. Nach jeweils 60 Minuten Stretch&Fold auf einer gut eingeölten Arbeitsfläche. Weitere 60 Minuten gehen lassen, dann mit Hilfe von reichlich (Hartweizen)Mehl vorsichtig rund formen. Körbchen bemehlen und Teig mit Schluss nach unten hineinlegen. Abdecken und etwa 30-40 Minuten gehen lassen, bis sich das Volumen fast verdoppelt hat. Gleichzeitig den Rost auf der zweiten Schiene von unten einschieben und einen grossen, gusseisernen Schmortopf mit aufgelegtem Deckel in den Backofen stellen. Regler auf 250 Grad drehen und den Topf etwa 30 Minuten aufheizen lassen. Mein Le Creuset* fasst 4,7 Liter und braucht ca. 25 Minuten, bis er brandheiss ist. Bitte vorher unbedingt sicherstellen, dass Topf und Knauf hohe Temperaturen problemlos aushalten. Ggf. Knauf abmontieren und Loch mit zusammengeknüllter Alufolie verschliessen. Nun muss alles schnell gehen. Topf aus dem Ofen holen, Deckel zur Seite legen und den Teig aus dem Körbchen in den Topf kippen. Idealerweise natürlich mit dem Schluss nach oben, damit dieser schön aufreissen kann. Deckel schnellstens wieder auflegen und zurück in den Ofen stellen. Nach 15 Minuten die Hitze auf 240 Grad reduzieren, weitere 40-45 Minuten backen. Deckel abnehmen und 5-10 Minuten unbedeckt backen. Gesamtbackzeit: 60-70 Minuten, je nach Backofen. Topf aus dem Ofen holen, fünf Minuten abkühlen lassen. Brot kopfüber auf ein Kuchengitter bugsieren, umdrehen und vor dem Anschneiden mind. zwei Stunden auskühlen lassen. Bleibt locker 3-4 Tage frisch.


*Anmerkung: Der montierte (schwarze) Knauf bei diesem Model ist nur bis 200 Grad hitzebeständig, deshalb habe ich ihn gegen einen Knauf aus Edelstahl vom gleichen Hersteller ausgetauscht. Kostete bei Coop City so um die 15 Franken und ist eine lohnende Investition.


Sonntag, 6. April 2014

Ananas-Smoothie mit Kurkuma und Chia



Zufälle gibt's. Das Mädel vom Land schrieb Anfang März Interessantes über Kurkumawurzeln. Einige Tage zuvor hatte ich zum ersten Mal frische Rhizome im Bioladen gesehen, aber nicht mitgenommen. Ich bemühe mich redlich, nur noch solche Sachen einzukaufen, die ich auch wirklich gebrauchen kann. Darum der feste Vorsatz: Mir muss spontan mindestens eine Verwendungsmöglichkeit einfallen, sonst darf's nicht mit in meine Küche. Ich bin an dem Tag sicherlich länger als drei Minuten vor dem Karton gestanden und habe mir das Hirn nach einer gescheiten Verwertungsidee zermartert. Das Ergebnis war mau, deshalb ging ich weiter und suchte all die anderen Sachen zusammen, die auf dem Einkaufszettel standen. Auf dem Weg zur Kasse machte ich einen zweiten Abstecher zur Früchtetheke, doch mir fiel immer noch kein passendes Rezept ein. Normalerweise packe ich die begehrten Dinge dann trotzdem heimlich in den Einkaufskorb, irgendwo bringe ich sie immer unter. Warum ich dann doch nicht zugegriffen habe? Weil Herr C. plötzlich wie ein irrer Derwisch aus dem Nichts auftauchte, mich mit seinem Gefuchtel völlig aus dem Konzept brachte, und meine Verwirrung ausnutzend, direkt zur Kasse schob. Seiner Meinung nach hatte ich nämlich wieder viel zu lange herumgetrödelt. In dieser Hinsicht ist er unerbittlich. Ihr könnt euch sicher mein Grinsen vorstellen, als ich gestern einkaufen ging und den kleinen Karton wieder zwischen Limetten und Orangen erspähte. Ich nahm zwei kleinfingerlange Stückchen, die zusammen 30 Gramm auf die Waage brachten. Dafür musste ich den stolzen Preis von sage und schreibe 28 Cent berappen. Man gönnt sich ja sonst nichts. Zu Hause angekommen, hatte ich unbändige Lust auf eine Vitaminbombe. Ich schnippelte eine perfekt reife Ananas in kleine Stücke, raspelte Ingwer und Kurkuma, gab Chiasamen hinzu und eine Minute später war der Smoothie fertig. Ingwer und Kurkuma kurbeln das Immunsystem an und sind der richtige Booster für alle, die momentan mit Frühjahrsmüdigkeit kämpfen. 


Für 2 grosse Portionen:

  • 1 mittlere Ananas, ca. 800 gr schwer
  • 1 vollreife Banane, geschält
  • Saft einer halben Zitrone oder Limette
  • etwa 375 ml Reis-Kokos-Drink (z.B. von Isola Bio oder Provamel)
  • 2 Tl fein geraspelte Kurkumawurzel
  • 1 Tl fein geraspelter Ingwer
  • 2 El Chiasamen
  • 2 El Rosenwasser, nach Belieben

Ananas grosszügig schälen, der Länge nach vierteln und den Strunk herausschneiden. Viertel in kleine Würfel schneiden und 400 Gramm abwiegen.* Zusammen mit den restlichen Zutaten in den Mixbecher geben und so fein wie möglich pürieren. Die Chiasamen werden dabei teilweise zerschreddert, das ist völlig okay. Ihre Inhaltsstoffe können so noch besser aufgenommen werden. Falls der Smoothie zu dick ist, mit Reisdrink verdünnen und nochmals durchmixen. Sofort geniessen und danach voller Energie den Tag beginnen. Reste halten sich im Kühlschrank maximal zwei Tage.


*Man kann natürlich auch gleich das gesamte Fruchtfleisch verwenden, einfach Flüssigkeitsmenge erhöhen und restliche Zutaten anpassen. Schmeckt übrigens auch mit anderen Pflanzendrinks. Luxuriöser wird's mit Kokoswasser. Bitte keine Kokosmilch nehmen, die ist zu mastig. Frische Kurkumawurzel ist oft auch in Asiashops erhältlich und kann sonst durch 1/2 Tl fein gemahlenes Pulver ersetzt werden.


Freitag, 4. April 2014

Update: Veganes Joghurt aus Kornelkirschenholz


Kommentare und Rückmeldungen erfreuen mich natürlich jederzeit. 

Aber die Freude ist noch ein kleines bisschen grösser, wenn es eine positive Rückmeldung zu einem ausprobierten Rezept ist. Ines von Zeit ohne Geld hinterliess vor ein paar Tagen einen Kommentar, der mich schier aus den Socken gehauen hat. Sie hat mit dem Kornelkirschenholz Sojamilch fermentiert und so mit einfachsten Mitteln ein von Grund auf veganes Joghurt hergestellt!

Herzlichen Dank für die Arbeit und die Rückmeldung!





Mittwoch, 2. April 2014

Bärlauchbutter



Spielen eure Pflanzen im Garten und auf dem Balkon auch verrückt? Rosmarin und Schnittlauch sind bei mir schon über und über mit Blüten bedeckt, der Waldmeister wird sich in den nächsten Tagen dazugesellen, der ausgesäte Neuseeländer Spinat hat schon nach 3 Tagen gekeimt (normalerweise braucht er 2-4 Wochen) und die Jiaogulan treibt auch schon wieder aus. Alles einen Monat zu früh, einfach unglaublich! Sogar der Wald spinnt. Überall Knospen und Blüten und auch der Bärlauch wird in den nächsten Tagen anfangen zu blühen.


Höchste Zeit, noch ein paar Blätter zu sammeln und daraus Bärlauchbutter herzustellen. Um den Sommer über für alle Grillpartys versorgt zu sein, stelle ich gleich eine grössere Menge her und friere die in Klarsichtfolie gewickelten Rollen ein. Ein kleiner Trick sorgt bei diesem Rezept für den wunderbaren Schmelz. Ein Drittel der Butter wird durch Margarine ersetzt. Allerdings kommt mir nur die grüne Alsan in die Schüssel, die schmeckt nicht heraus und hat bezüglich der Inhaltsstoffe meinen Segen. Wer keine Margarine verwenden möchte, nimmt einfach einen weiteren Block Butter.


Für einen (halben) Jahresvorrat:

  • 500 gr Butter, sehr weich
  • 250 gr Alsan, weich
  • 120 gr Bärlauch
  • 1 Bund Schnittlauch
  • 1 Bund glatte Petersilie
  • Schale einer halben Zitrone, fein abgerieben
  • 2 El Worcestershiresauce
  • 1 El Senf
  • 1 gehäufter Tl Sumach
  • 3-4 Tl Herbamare oder anderes Kräutersalz 
  • frisch gemahlener Pfeffer

Butter und Margarine mit Hilfe einer Küchenmaschine aufschlagen. Nach einigen Minuten wird die Buttermischung sehr viel heller (fast weiss) und sehr crèmig sein. Kräuter waschen, trockenschleudern, ca. 2/3 davon grob zerkleinern und zusammen mit der Worcestersauce pürieren. Restliche Kräuter von Hand, oder ebenfalls im Mixer, fein hacken. Pürierte und gehackte Kräuter, Zitronenschale, Senf und Sumach gründlich unterrühren, mit Kräutersalz und Pfeffer würzen. Schüssel etwa 30 Minuten in den Kühlschrank stellen, bis die Butter formbar ist. Gewünschte Menge abnehmen, auf ein Stück Klarsichtfolie geben und zu einer Rolle eindrehen. Hält sich im Kühlschrank gut eine Woche, im Tiefkühler mindestens ein halbes Jahr.


Freitag, 28. März 2014

toptip? Wohl eher Floptip!


Mich bringt eigentlich nichts mehr so schnell auf die Palme. Ausser unfreundliche, inkompetente Verkaufsberater/-innen, die pushen mich in einer Minute auf 180. Nachdem ich fast drei Jahre selbst im Verkauf gearbeitet habe und die Hälfte der Zeit stellvertretende Filialleiterin war, bilde ich mir ein zu wissen, wann der Ton nicht ganz passend bzw. die Antwort eine Spur zu pampig ist. Letzte Woche hatte ich wieder einmal das zweifelhafte Vergnügen, an eine solche Person zu geraten.

Fangen wir von vorne an. Vor einigen Tagen flatterte mit der Zeitung ein Prospekt von tiptop, einem Möbelladen mit mehr als 30 Filialen, in den Briefkasten. Normalerweise werfe ich diese Beilagen ungelesen ins Altpapier, denn tiptop war für mich jahrelang der Inbegriff von billigen Schrottmöbeln. Verwandte und Bekannte hatten in den 90ern dort verschiedenste Stücke (kleine und grosse Schränke, Sofas, Gestelle u.ä.) gekauft und keiner war mit dem schlecht verarbeiteten Zeug zufrieden. Die Mitarbeiter schienen auch nicht gerade sämtliche Sympathiepreise einzuheimsen und der Kundendienst war schon fast legendär. Beispiel: "Ihnen fehlt ein Einlegeboden? Pech gehabt, da können wir nichts tun." Nachdem Coop die Kette übernommen hatte, schien sich die Qualität zu verbessern, zumindest habe ich das irgendwo gehört. Trotzdem war ich noch nie in der neuen Filiale, möbeltechnisch sind wir schliesslich gut versorgt. 

Nur der Esstisch muss in naher Zukunft ersetzt werden. Er war beim Kauf vor 12 Jahren ein Kompromiss gewesen, gefallen hatte er mir nie so richtig. Mittlerweile ist die Tischplatte wirklich unansehnlich, zerkratzt und das viereckige Format blockiert den Durchgang. Ihr könnt euch also sicher vorstellen, wie sehr ich mich freute, als ich beim Durchblättern des Prospekts einen Tisch sah, der mir auf Anhieb gefiel und sogar noch bezahlbar war. Herr C. fand ihn ebenfalls toll und da die Esszimmermöbel dort gerade mit 15% Rabatt angeboten werden, machten wir am nächsten Tag einen Abstecher auf's Land.

Das Ausstellungsstück dämpfte unsere Vorfreude allerdings erheblich. Farblich war es Welten entfernt von dem Bild im Prospekt und was mich besonders störte, war ein dunkles, gräuliches Brett in der Tischplatte, das aussah, als ob das Holz nass geworden war. Der Rest des Tisches war okay, aber dieses eine Brett störte mich massiv. Es sah fast so aus, als ob dem Tischler (ha,ha..) das gute Holz ausgegangen war. Herr C. und ich waren uns nach einer kurzen Beratung einig. Ein Tisch mit so einem hässlichen Abfallbrett in der Mitte wollten wir nicht. Aber das dürfte ja kein Problem sein. Wir  könnten sicher vor dem Kauf die Tische ansehen und uns ein Exemplar mit hübscheren Brettern aussuchen.

Eine Sekunde später sprach uns eine Verkaufsberaterin an und ich freute mich über das prompte Erscheinen. Doch zu früh gefreut. Ich legte der Dame meine Bedenken hinsichtlich der Zusammensetzung der Tischplatte dar und erkundigte mich, ob die Tische vor dem Kauf besichtigt werden können. Die Dame sah mich von oben herab an, so als wäre ich strohdumm und gab herablassend zum besten, dass dieser Tisch aus Naturholz sei und Naturholz nie gleichmässig gefärbt ist. Deshalb heisst es ja Naturholz. Wirklich? Echt jetzt? Das war mir neu....

Ich setzte nochmal an und bemerkte, dass ich mir der Tatsache bewusst bin, dass Naturholz nie wirklich gleichmässig ist und selten einen perfekten Farbverlauf aufweist. Es ginge mir ja aber auch nicht um die kleinen Unterschiede der Holzbretter oder die Maserung, sondern um dieses eine, ins Auge stechende, absolut hässlich aussehende Brett. So eines mochte ich nicht in meiner zukünftigen Tischplatte. Noch genervter kam die Antwort, dass die Sachen im Katalog immer anders aussehen als in natura. Aha, wie schön, dass endlich jemand den Betrug zugibt. Nützte mir nur nicht viel, da ich ja nicht das Teil aus dem Prospekt verlangt hatte. Also auf zur nächsten Frage, die ist vielleicht einfacher zu verstehen. Wäre es denn generell möglich, einen oder zwei Tische aus dem Lager mal anzuglupschen? Genervtem Augenverdrehen folgte als Antwort: Das ist absolut nicht üblich. Ich dachte mir meinen Teil und liess sie weiter reden. Es wäre ja soooo kompliziert, so einen Tisch auszupacken. Dann müsste er ja nach der Besichtigung wieder eingepackt werden (auch soooo kompliziert) und ob ich denn eine Ahnung hätte, was das für sie persönlich an Aufwand bedeuten würde? Mittlerweile war ich über dieses hochnäsige Getue selber leicht genervt und fragte deutlicher, ob es nun möglich sei oder nicht. Sie griff wieder augenverdrehend zum Telefon, rief eine Kollegin an, fasste meine Frage kurz zusammen und gab dann drei Mal von sich: Ja, das habe ich ihr schon erklärt. Jaha, das auch. Jahaaaa, natürlich habe ich ihr das auch gesagt. Leute, ihr hättet den Ton hören sollen. Als ob ich ein kleiner, minderbemittelter, tödlich nervender Hosenscheisser sei. Sie gab sich überhaupt keine Mühe, ihre Herablassung zu verbergen und das machte mich sauer. Bei anderen Möbelhändlern war es noch nie ein Problem, ein Stück aus Massivholz vor dem Kauf in Augenschein zu nehmen. Im Gegenteil. Der Kunde soll nach dem Kauf doch zufrieden oder sogar glücklich mit seinem Einzelstück sein. Wer zufrieden ist, kommt schliesslich immer wieder. Oder?

Sie hängte ab, wandte sich wieder zu mir um und erklärte im gleichen Leck-mich-am-Arsch-Tonfall, dass sie für mich eine riesige Ausnahme machen würden. Eine wirklich einmalige Ausnahme. Ich dürfte mir (Unterton: Schätz dich glücklich, blöde Kuh!) einen Tisch anschauen. Aber nur einen. Super! Und was, wenn mir der eine nicht gefällt? Muss ich dann den zweiten im Blindflug nehmen? Ich sagte es nicht laut, weil ich gar nicht dazu kam. Sie sprach nämlich gleich weiter: Aber der Tisch ist sowieso nicht auf Lager. Bitte? Wie kann es sein, dass ein Tisch, der als Neuheit beworben wird, nicht im Lager ist? Antwort: Man könne ja nicht alles auf Lager haben. Das verstehe ich, aber wir reden hier von einer NEUHEIT, aus dem AKTUELLEN Prospekt, sind die denn schon alle ausverkauft oder was? Statt einer Antwort folgte ein erneuter Griff zum Telefon und dreissig Sekunden später die Ansage, dass die Lieferfrist 4 Wochen betrage. VIER Wochen? Ich fasste kurz zusammen: Vier Wochen Wartezeit und was wäre, wenn mir dieser bestellte Tisch nicht gefallen würde? Müsste ich dann einen weiteren Monat auf eine zweite Lieferung warten? Sie sah mich an, als ob ich komplett verrückt wäre. Ich lehnte dankend ab, drehte mich um und wollte gehen. Im letzten Augenblick fragte ich nach ihrem Namen. Wenn Blicke töten könnten, wäre dies nun mein Nachruf. Allerdings schien sie auch leicht verunsichert. War ich doch nicht so blöde, wie sie mich eingeschätzt hatte?

Auf dem Heimweg ärgerte ich mich wie seit Monaten nicht mehr. Die Behandlung und der schlechte Service zusammen waren einfach zu viel. Ich schrieb eine Mail an die Firmenzentrale, in der ich die unerfreuliche Begegnung zusammenfasste und anmerkte, dass vier Wochen Lieferfrist für eine beworbene Neuheit doch eine sehr lange Zeit sei. Die Antwort kam zwei Tage später (gekürzte Version): 

....Der Tisch XY ist ein Tisch aus massiver Eiche. Wie Sie bereits selber erwähnt haben, ist Holz ein reines Naturprodukt und ist in vielen Jahren gewachsen. Wachstumsbedingte Abweichungen in Struktur und Farbe weisen von dessen Echtheit und machen aus Ihrem Möbel ein Unikat. Holz "arbeitet", durch wechselnde Temperaturen und Veränderungen der Luftfeuchtigkeit kann es sich leicht ausdehnen und zusammen ziehen....

Es ist bei uns nicht üblich, dass der Kunde bei uns die Tischplatten aussuchen kann. Die Farbe des Holzes wird sich nämlich auch nach dem Kauf farblich verändern.Wir können Ihnen das Angebot machen, das wir für Sie ausnahmsweise 2 Tische bestellen und sie aus den beiden ein Exemplar auswählen können. Eine Reklamation betreffend Farb- und Strukturänderungen werden wir nachträglich ablehnen...

Gerne erwarte ich Ihr Feedback....
Wie ein ehemaliger Deutschlehrer von mir sagen würde: Thema verfehlt. Ich scheine mich schriftlich nicht ausdrücken zu können, oder warum geht der Herr nicht auf meine Fragen ein? Und wenn er so eine Angst vor nachträglichen Reklamationen hat, dann wäre eine Vorbesichtigung doch der beste Weg, um solches zu vermeiden, oder? Kein Wort zu dem unpassenden Verhalten der Angestellten, kein Wort zu der langen Lieferzeit. Ich verlange ja nicht, dass man sich (virtuell) Asche über's Haupt streut, sich im Dreck windet und mir winselnd zu allem und jedem Recht gibt. Aber eine Beschwerde über eine Mitarbeiterin komplett zu ignorieren (Hey, es gibt Zeugen!), ist schon ein starkes Stück. Noch besser finde ich allerdings die, anscheinend unerklärliche, lange Lieferzeit. Da ich zumindest zu diesem Punkt weitere Informationen wollte, griff ich zum Hörer und rief in der Zentrale an. Ich gab mich als potentielle Käuferin aus (ha,ha..) und erkundigte mich über die zu erwartende Lieferfrist. Der zuständige Sachbearbeiter war sehr freundlich und gab mir gerne Auskunft. Ich müsse mit maximal zwei Wochen rechnen, normalerweise seien die Möbel aber schon innerhalb von sieben Tagen in der gewünschten Filiale. Blöde Frage, aber ist das den Mitarbeitern vor Ort bekannt? Ich hätte da nämlich etwas von vier Wochen oder so gehört. Vier Wochen? Nein, nein, höchstens zwei. Und er sehe gerade, der gewünschte Tisch ist in einer anderen Filiale in meiner Nähe verfügbar. Wenn mir der Weg allerdings zu weit sei, könne er den Tisch ohne Aufpreis auch noch diese Woche in die nähere Filiale rüberschicken lassen. Wow. Leider zu spät, aber trotzdem Danke. Untergebene zu decken ist ja ganz löblich, aber Unfreundlichkeit gepaart mit Inkompetenz einfach zu ignorieren, ist fahrlässig. Tja, auf zwei Kunden weniger kommt es ja nie an. Oder etwa doch?

Montag, 24. März 2014

Exotisch? Nee, einheimisch und exquisit: Schlehenblütengelée



Wir wohnen offiziell in einem stadtnahen Quartier, doch es kommt uns oft so vor, als würden wir mitten auf dem Land wohnen. Beispielsweise dann, wenn die Schlehen in voller Blüte stehen. Nur ein paar Schritte von unserer Wohnung entfernt, wachsen an einem kleinen Abhang mehr als zwanzig Büsche und Bäume, die zur Zeit einen himmlischen Duft verströmen. Letzte Woche konnte ich mich nicht mehr beherrschen und musste ein paar Handvoll ernten. Das geht übrigens ganz einfach. Mit der linken Hand einen Ast fest halten, sanft nach unten ziehen und mit der rechten Hand die Blüten von oben nach unten abstreifen. Anmerkung von Herrn C.: Linkshänder verfahren natürlich umgekehrt. So easy kann innerhalb von fünf Minuten ein halbes Knischtersäckli (Frühstücksbeutel) gefüllt werden, was in etwa 150 Gramm Blüten entspricht.


Zu Hause sortierte ich meine Beute und wog sie. In dem äusserst interessanten Büchlein "Wildblüten- und Kräutergelées" empfehlen die Autoren, 100 Gramm Schlehenblüten in 700 ml Apfelsaft ziehen zu lassen. Das erschien mir sehr grosszügig bemessen, trotzdem probierte ich es aus. Es war tatsächlich zu wenig Saft, um alle Blüten zu bedecken. Ich brauchte 350 Milliliter mehr, also insgesamt 1,4 Liter Apfelsaft für 150 Gramm Schlehenblüten. Sie durften dann 15 Stunden bei ca. 10 Grad auf der Terrasse mazerieren. Über Nacht hatte sich der Saft rötlich verfärbt und duftete sehr blumig. Der Geschmack des fertigen Gelées ist blumig-fruchtig, es erinnert nicht nur vom Aussehen her an Quittengelée und ist doch ganz anders. Herrlich! Für mich DIE Entdeckung in Sachen Blütengelées. Die abgesiebten Reste dufteten übrigens noch so stark, dass ich sie gleich wieder in ein Einmachglas verfrachtete und mit Apfelessig übergoss. Der Essig hat sich ebenfalls rötlich verfärbt und den Duft gut angenommen. Mehr darüber verrate ich in ein paar Tagen.


Für ca. 1,3 Liter köstlichstes Gelée:

  • 150 gr  Schlehenblüten*
  • 1,4 Liter Apfelsaft
  • Saft einer Zitrone
  • 750 gr Zucker
  • 2 Beutel Dr. Ö. Gelfix 2:1**, ausreichend für 1,5 Liter Flüssigkeit

Blüten kontrollieren. Ästchen, Blätter und Insekten aussortieren. Nicht waschen, dadurch würde viel vom Aroma verloren gehen. In ein grosses Einmachglas geben und mit dem Apfelsaft übergiessen. 10-12 Stunden bei Zimmertemperatur oder 15 Stunden (evt. auch länger) an einem kühlen Platz ziehen lassen. Alles in ein Geléetuch geben, Flüssigkeit auffangen und die Blüten 10 Minuten abtropfen lassen. Oder zuerst in ein nicht zu feines Sieb schütten und die Flüssigkeit danach durch Kaffeefilter laufen lassen. Der Saft sollte klar sein, kleinste Partikel machen aber auch nix. In einen grossen Topf leeren, den Saft der Zitrone zugeben. Zucker mit dem Gelfix mischen und ebenfalls in den Topf geben. Unter ständigem Rühren zum Kochen bringen. Abschäumen und genau 5 Minuten sprudelnd kochen. Heiss in sterilisierte Gläser füllen, Deckel zudrehen und wer mag, einige Minuten auf den Kopf stellen. Ich füllte 2 Gläser à 250 ml, 1 Glas à 200 ml, 2 Gläser à 125 ml und 5 kleine Gläser à 50-75 ml. Übrig blieben etwa 3-4 Esslöffel voll, die ich in ein kleines Schälchen goss. Gläser langsam abkühlen lassen. Wenn sauber gearbeitet wurde, ist das Gelée mindestens sechs Monate haltbar. Nach dem Anbruch vorzugsweise im Kühlschrank aufbewahren.


*Am späten Abend oder Vormittag ernten, dann duften sie am intensivsten. Nach einem Regenguss mindestens 24 Stunden warten und nur zugreifen, wenn die Blüten noch vollständig sind. Idealer Zeitpunkt: Der Grossteil der Blüten ist voll aufgeblüht und es sind nur noch ganz wenige ungeöffnete Knospen sichtbar. Wenn die weissen Blütenblätter beginnen abzufallen, ist es zu spät. Dann lieber bis zum nächsten Jahr warten oder sein Glück an eine höher gelegenen Stelle versuchen. 



** Kann natürlich durch die entsprechende Menge Gelierzucker 2:1 ersetzt werden. Ich bevorzuge die kleinen Päckchen, weil sie nicht viel Platz im Vorratsschrank brauchen. In der Schweiz erhältlich bei Coop, in Deutschland günstiger in vielen Supermärkten. Normaler Zucker plus Unigel, reines Apfelpektin oder eine andere Einmachhilfe funktioniert natürlich auch, dann allerdings die Dosierung entsprechend der Anleitung auf der Packung anpassen. Ohne Pektin geht's allerdings nicht, dann würde das Gelée flüssig bleiben.


Und weil das Gelée so aussergewöhlich lecker ist, geniesse ich es am liebsten ohne Brot, direkt vom Löffel. Deshalb wandert dieser Beitrag auch gleich rüber zu Zorra und Petra, wo Lieblingslöffelessen gesucht wird. (Foto mit dem Lieblingslöffel aus Kyoto wird nachgereicht, er ist gerade unauffindbar. *sniff*)

Blog-Event XCVII - Lieblingslöffelessen (Einsendeschluss 15. April 2014)