Sonntag, 30. August 2015

Buchvorstellung: Plant Food von Matthew Kenney

   

Frau C. im Rohkostwahn? Bis vor ein paar Wochen hätte ich über diese Aussage gelacht, aber Plant Food von Matthew Kenney aus dem Unimedica Verlag hat mich eines Besseren belehrt.

Erster Eindruck:
Softcover, tolles Titelbild, gefällt mir alles auf den ersten Blick. Die Fotos im Innern sind phantastisch. Eher minimalistisch gehalten und genau deshalb machen sie Lust auf mehr. Man möchte sofort losziehen und den Gemüsemarkt plündern. Vorerst einziges Manko: Leider ist nicht jedes Rezept bebildert.

Inhalt:
Laut Klappentext ist Mister Kenney nicht nur einer der renommiertesten Raw-Food-Köche (mit Restaurants in Kalifornien, New York und Maine), sondern auch Autor mehrerer kulinarischer Bestseller. Ehrlich gesagt, war er mir bis dato unbekannt, aber man lernt ja nie aus. Nach der Einführung mit dem Titel "Die neue Rohkostküche", in der er seine Zubereitungsphilosophie erklärt, folgen die Kapitel mit den Rezepten in ungewohnter Reihenfolge: Sammeln, Belassen, Sprossen, Pürieren, Dörren, Räuchern, Versiegeln, Einlegen, Pressen, Fermentieren, Reifen, Süssen und Trinken. Den Abschluss bildet das Kapitel über moderne Geräte und Zutaten. 

Nicht nur die Präsentation, auch die Namen der meisten Gerichte sind recht minimalistisch. Beispiel: Geräucherte Tomaten, Pfirsiche, Basilikumeis. Oder: Khakifrucht, wilde Rauke, Pistazien. Mehr vorstellen kann man sich wahrscheinlich unter einem Portobello-Salat, Karottensuppe mit Karottenwolke und Kimchi-Taschen. Ein bisschen ausführlicher wird die Betitelung dann bei Gerichten wie Süsskartoffelchips mit Schwarzer-Pfeffer-Crème und Hijikikaviar. Radieschen mit Roggen-Algen-Chips und Macadamiabutter-Variationen. Oder: Blumenkohl, eingelegte Zitronen, Walnuss, Harissa. Schon fast episch: Kelp-Nudeln, schwarzer Pfeffer, Pfifferlinge, Knackerbsen, Olive, Erbsenranke. Nicht zu vergessen: Schokoladenkuchen, Walnuss, Süssholz, Birne, Fenchel, Sassafras. Teilweise verstecken sich dahinter Gerichte, die fast nur aus den aufgezählten Hauptzutaten bestehen, meist ist die Zutatenliste aber länger. Der Schwierigkeitsgrad schwankt von sehr einfach bis extrem aufwändig (zumindest empfinde ich das so). Viele der verlangten Zutaten sind leider nicht einfach aufzutreiben. Ich kenne beispielsweise keine Quellen für Anisextrakt, Wassermelonen-Rettich, Mikro-Kräuter und Kichererbsenmiso. Oder einen adäquaten Ersatz für Jicama, der auch roh genossen werden kann. So sehr mich dieses Buch begeistert, muss ich doch darauf hinweisen: Ambitionierte Hobbyköche, die Spezialzutaten wie Xanthan, Lecitin oder probiotische Kapseln im Vorratsschrank haben, und Equipment wie Dörrer, Entsafter oder Vakuumiergerät besitzen, sind klar im Vorteil. Nicht falsch verstehen, viele Gerichte lassen sich auch ohne das ganze aufgezählte Spezialzeug verwirklichen, aber es handelt sich hier um das Werk eines Rohkost-Spitzenkochs und entsprechend gross ist die Bandbreite der geforderten Lebensmittel und Geräte. Halt genau wie bei Kochbüchern von "normalen" Sterneköchen auch. Von Stefan Wiesner oder Marc Veyrat erwartet ja auch keiner, dass sie ihre Zutatenlisten auf das Sortiment eines Discounters beschränken.

Was meint der Magen:
Für den Anfang habe ich mich an die einfacheren Gerichte gehalten und teilweise auch getrickst, da ich mich ja nicht streng rohköstlich ernähre. Sehr gelungen fand ich die Steinpilzcracker mit Zitronenverbenen-Crème. Allerdings würde ich die Menge der Zitronenverbene nächstes Mal reduzieren, ein wenig dezenter dürfte es schon sein. Der Frühlingsgemüsesalat verwandelte sich in einen Was-wir-gerade-im-Garten-ernten-können-Salat (Malabarspinat, Himbeeren, Hirschhornsalat, Portulak, Kohlrabiblätter) und aus der Erdbeer- wurde eine Heidelbeer-Vinaigrette. Leckere Sache, auch wenn Herr C. den Anteil an Minzeblättern viel zu hoch fand. Bei der Birnensuppe mit Sellerie und Wacholderöl habe ich zum ersten Mal getrickst. Statt frisch gepresstem Selleriesaft, nahm ich nämlich pasteurisierten aus der Flasche. Ohne Xanthan blieb die Suppe natürlich ziemlich dünn, geschmacklich konnte sie aber auch so überzeugen. Und auch bei den Roggen-Algen-Chips musste ich ein bisschen an der Rezeptur herumpfuschen. Der Selleriesaft kam wieder aus der Flasche (Resteverwertung) und einen Teil der Leinsamen und das Kombu-Pulver wurden durch Kürbiskerne ersetzt (auch schön grün). Das Ergebnis könnte ihr auf dem Foto bewundern:


Chips/Cräcker aus dem Dörrer sind ein echt cooler Snack, muss ich zugeben. Mit ein bisschen Pilz-Walnuss-Paté und scharfen Aprikosen serviert, sind sie das perfekte Fingerfood zu einem Glas Weisswein.

Fazit:
Wie schon geschrieben, bin ich schwer begeistert. Allen, die experimentierfreudig sind und einen Ausflug in die gehobene Raw-Food-Küche unternehmen möchten, kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen. 

P.S. Erst jetzt bemerkt: Im Buch lag ein Flyer, mit dem einige der Spezialzutaten und Geräte direkt beim Verlag bestellt werden können. Praktische Sache.

Zum Abschluss noch das Kleingedruckte: Die in dieser Rezension geäusserten Ansichten und Meinungen sind zu 100% die Meinigen und wurden von niemandem beeinflusst.       
Einen ganz herzlichen Dank an den Unimedica Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. 


Donnerstag, 27. August 2015

Supercrèmiges Hummus aus Kichererbsenmehl



Eines meiner Experimente mit der Getreidemühle ergab kürzlich Mehl aus grünen Erbsen und schwarzen Kichererbsen. Aus dem Erbsenmehl lässt sich eine einfache 3-Minuten-Suppe herstellen, ausserdem kann es in Brotteigen verarbeitet werden. Aber für das graue Kichererbsenmehl wollte mir partout kein Verwendungszweck einfallen. Ich und meine superspontanen Aktionen.... Also machte ich mich virtuell auf die Suche und fand nach einiger Zeit, neben all den Anleitungen für Socca und Panelle, ein Rezept für Hummus aus Kichererbsenmehl. Leider taugte die Anleitung rein gar nichts, denn der allerwichtigste Schritt wurde übersprungen: Kichererbsenmehl muss vor der Verwendung durchgesiebt und mit einem Teil der Flüssigkeit angerührt werden, sonst verwandelt sich alles in eine Klümpchenparade. Darum bitte genau an meine Anleitung halten und nichts überspringen, gell? Die Crèmigkeit verdankt das Hummus dem hohen Flüssigkeitsanteil, Öl- und Tahinzugabe können auf ein Minimum reduziert werden. Wir bevorzugen übrigens Walnuss- statt Olivenöl, der nussige Geschmack harmoniert ganz wunderbar mit Kichererbsen und Sesam. Graues Hummus mit schwarzem Sesammus ist zwar recht lustig anzusehen, unterscheidet sich geschmacklich aber nur minimal von der normalen Version mit gelbem Kichererbsenmehl und hellem Tahin. Also ran an die Töpfe, denn crèmiger wird es nicht mehr!


Basis:

  • 700 ml kaltes Wasser
  • 1/2 Tl Salz oder 1 gehäufter Tl Gemüsebrühepulver 
  • 100 gr Kichererbsenmehl*

500 ml Wasser mit Salz oder Brühepulver zum Kochen bringen. Kichererbsenmehl durchsieben und mit dem restlichen Wasser klümpchenfrei verrühren. Wenn das Wasser im Topf heiss ist, eine Kelle voll zum angerührten Kichererbsenmehl giessen und alles gründlich vermischen. Sobald das Wasser im Topf wieder kocht, Topf zur Seite ziehen und Kichererbsenwasser mit einem Schneebesen unter ständigem Rühren untermischen. Zurück auf die Platte schieben, Hitze reduzieren und 10 Minuten köcheln. Während dieser Zeit ständig rühren, sonst brennt die Masse sofort an. Probieren, und wenn der bohnige Geschmack verschwunden ist, in eine kalt ausgespülte Schüssel umfüllen. Auf Zimmertemperatur abkühlen lassen. 

  • 1-2 Knoblauchzehen
  • 50 ml Wasser
  • 3 El Oliven- oder Walnussöl
  • 3 El Tahin
  • 4 El frisch gepresster Zitronensaft 
  • 1/2 Tl Sumach
  • (Kräuter)Salz, Pfeffer

Knoblauchzehe schälen, halbieren und ggf. entkeimen. Zusammen mit Wasser, Öl und etwas Salz in den Becher geben, mit dem Stabmixer zu einer feinen Sauce pürieren. Die Hälfte des Kichererbsenpuddings zugeben, pürieren. Tahin und Zitronensaft einpürieren. Restlichen Pudding, Sumach und Pfeffer in den Becher geben. Pürieren, bis die Masse völlig glatt und crèmig ist. Abschmecken, in eine Schüssel umfüllen, abdecken und mindestens eine Stunde durchziehen lassen. Vor dem Servieren nochmals abschmecken. Reste in ein Einmachglas umfüllen und in den Kühlschrank stellen. Innerhalb einer Woche verbrauchen. 

* Erhältlich in Indiashops unter der Bezeichnung Besan, Gram Flour und/oder Chickpea Flour. Oder im gut sortierten Bioladen, meist in der Ecke mit den glutenfreien Produkten. Wer eine Getreidemühle mit entsprechender Leistung besitzt, kann die Kichererbsen auch selber zu Mehl vermahlen. Aber bitte vorher unbedingt die Gebrauchsanleitung konsultieren!


Montag, 24. August 2015

Montagssüss: Gepimpte Beerichüechli



Im Kühlschrank steht ein Einmachglas mit orange-gelbem Inhalt. Wer es in die Hand nimmt, fragt sich unwillkürlich, warum zum Geier Frau C. den schlabberigen Sirup mit Schalenstückchen nicht in eine Flasche abgefüllt hat. Oder gleich in den Ausguss verschwinden liess. Sirup? Nee, liebe Leute, das ist kein Sirup. Sondern Mandarinenmarmelade mit Vanille aus Eigenproduktion. Der Geschmack ist top, die Konsistenz leider ein Flop. Herr C. findet zwar, dass Zitrusmarmelade ruhig recht flüssig sein darf, aber ich mag das einfach nicht. Kleckerei und klebrige, verschmierte Finger sind nicht meine Welt. Aus diesem Grund mische ich die Konfi lieber unter Quark oder Joghurt. (Schweizer machen übrigens keinen EU-Norm-Konformen-Unterschied und nennen alles, was nur entfernt an Fruchtaufstrich erinnert, einfach "Konfi"). Und unter Kuchenteig. Sozusagen als Ersatz für Zitrusabrieb. Die Konfi hält sich dezent im Hintergrund, verleiht dem fertigen Gebäck aber neben einem Hauch Mandarine noch eine flaumig-saftige Konsistenz. 


Für 12 Muffins:

  • 150 gr Beeren, geputzt (Heidel-, Cassis-, Johannis-, Brom- oder sehr kleine Stachelbeeren)
  • 125 gr sehr weiche Butter
  • 65 gr brauner Rohrzucker 
  • 4 El / 65 gr Zitrusmarmelade (bei mir ziemlich flüssige Mandarine mit Vanille)
  • 2 Eier Grösse L, zimmerwarm
  • 125 gr Weizenmehl (oder halb Ruchmehl, halb Typ 405)
  • 3/4 Tl Weinsteinbackpulver

Ofen auf 200 Grad vorheizen, Gitter auf der zweiten Stufe von unten einschieben. Beeren in ein Sieb geben, abbrausen und einige Minuten abtropfen lassen. Tiefgekühlte Beeren direkt unter den Teig mischen. Unterdessen ein 12er Muffinblech ausbuttern oder mit Papierförmchen bestücken. Butter mit Rohrzucker zwei Minuten aufschlagen. Zitrusmarmelade unterziehen, dann die Eier eine Minuten unterrühren. Mehl und Backpulver kurz untermischen. Nicht zu lange rühren, nur bis das Mehl gerade eingearbeitet ist. Abgetropfte Beeren mit einem Spatel unterrühren. Teig in die Muffinformen verteilen und gleich in den Ofen verfrachten. 18-20 Minuten dunkelgoldig backen. Stäbchentest nicht vergessen! 10 Minuten in der Form abkühlen lassen, dann vorsichtig einzeln herausholen und auf einem Gitter völlig auskühlen lassen. Die Chüechli lassen sich wunderbar aus den Papierförmchen lösen und sind auch nach zwei Tagen noch supersaftig! Quelle: Abgewandeltes Rezept aus Nigel Slaters Buch "Obst".


Sonntag, 23. August 2015

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -19-



[GE]gessen: Huhn aus dem Ofen mit gebackenen Champignons

[GE]trunken: Holunderschorle mit Ahornsirup

[GE]kocht: Steinpilzpolenta im Slow Cooker

[GE]backen: Schoko-Tahin-Kuchen und Sesambrot mit Honig

Um[GE]gestaltet: Die Terrasse. 
Mehr Platz, mehr Raum zum Geniessen. Endlich eine Wohlfühloase.

[GE]sehen: Lost in Translation (siehe [GE]lacht)

[GE]fermentiert: Gurken mit Eichenblättern, Meerrettich & Dill,
Rotkraut mit fünf Gewürzen und gestiftelte Randen und Karotten

[GE]freut: Über meinen gestrigen Fund beim Einkaufen:
Kompostierbare, fusselfreie Wattepads aus Bio-Baumwolle (60 Stück für 1.49)

[GE]ärgert: Keinen Fish Mac mehr im Kindermenü von McDoof.
Somit gibt es keinen Grund mehr, je wieder diesen Schuppen zu betreten.

[GE]kauft: Einen breiten Trichter aus Edelstahl zum Abfüllen von Konfitüre
(der Vorgänger war zu gross für Gläser unter 250ml)

[GE]hört: Big Empty - Stone Temple Pilots

[GE]lacht:
Mehr Lotscher Moore


Freitag, 21. August 2015

Schwarztee mit Liebstöckel oder Dill



Liebstöckel (auch bekannt als Maggikraut) im Tee? Geht ja wohl gar nicht, werden einige sofort denken. Dill im Tee? Genau so schräg. Wer will ein solches Gebräu freiwillig zu sich nehmen? Ich, zum Beispiel. Allerdings muss ich eines vorausschicken: Wir reden hier von den Samen dieser zwei Pflanzen, die sehr viel nuancierter schmecken als das Grünzeug selbst. Vergleichbar etwa mit Koriandersamen und Korianderkraut. Entstanden ist diese ungewöhnliche Kombination im Garten. 

Liebstöckelsamen 

Ich hatte damals eine Tasse Schwarztee in der Hand als ich spontan beschloss, die zwei riesigen Liebstöckelstöcke zurückzuschneiden. Ich lasse die Pflanzen immer ungestört blühen, da sie wochenlang von Bienen und Hummeln umschwärmt werden. Aber zu der Zeit hatten die Blütenstände sich schon in Samenstände verwandelt und sollten dringend entfernt werden. Nachdem ich alles auf dem Kompost aufgetürmt hatte, wandte ich mich wieder meiner Tasse zu. Ärgerlicherweise schwammen auf der Oberfläche ein paar Samen. Zu faul, um mir einen neuen Tee aufzubrühen, fischte ich die ungewollte Zugabe heraus und trank einen Schluck. Der Tee war fantastisch würzig, mit leichter Kräuternote, exotisch und doch vertraut. Ein ganz klarer Fall von: Mehr haben will! Darum endeten einige Samenstände auch nicht auf dem Kompost, sondern zu Hause im Dörrer. Sie taugen übrigens nicht nur als Teezusatz, sondern verleihen auch Salaten, Suppen, Eintöpfen und Kräutersalz das gewisse Etwas. 

Dillsamen, noch nicht abgerebelt

Wer keine Liebstöckelsamen im Vorratsschrank hat, kann sich mit Dillsamen behelfen. Die sind aktuell erntereif und werden oft für wenig Geld auf Gemüsemärkten verkauft. Samenstände einige Tage auf einem Teller trocknen lassen, abrebeln und anschliessend in ein Glässchen umpacken. Oder fertig getrocknet und abgepackt beim Gewürzhändler besorgen (meist in der Ecke mit den Einlegegewürzen). 


Zutaten pro Person:

  • 1 Tl loser Schwarztee (oder wenn es sein muss, halt einen Teebeutel)
  • 5-10 getrocknete Liebstöckel- oder Dillsamen
  • 200 ml kochendes Wasser
  • Honig oder Zucker

Schwarztee und Samen in ein kleines Tee-Ei füllen. In eine Tasse hängen und mit dem Wasser übergiessen. Etwa 5 Minuten (oder auch länger, je nach Vorliebe) ziehen lassen. Tee-Ei entfernen und das Getränk nach Belieben süssen. Der Tee kann auch bei leichten Magenbeschwerden helfen, sofern man welche hat. 

Und weil Zorra gerade für ihren Blogevent heiss(es) & kalt(es) sucht, schicke ich gleich ein Tässchen vorbei.

Blog-Event CXII - Heiss & Kalt (Einsendeschluss 15. September 2015)


Mittwoch, 19. August 2015

აზელილა/ Azelila



Georgische Küche? Spontan fallen mir nur zwei Gerichte ein: Khachapuri, eine Art Fladenbrot mit Käsefüllung, und Katmis Satsivi, Hühnchen mit Walnuss- und Knoblauchsauce. Danach wird es verdammt düster. Vorspeisen? Suppen? Desserts? Gebäck? Fehlanzeige. Kein Problem, denke ich noch, im Regal steht ja ein georgisches Kochbuch. Oder doch nicht, denn es entpuppt sich als Werk über die armenische Küche. Knapp daneben. Aber irgendwo hatte ich doch kürzlich ein georgisches Rezept gelesen...*grübel*... Aus Verzweiflung über mein unzuverlässiges Gedächtnis, wurde Pinterest nach einer Lösung befragt. Und siehe da, ich hatte sogar zwei georgische Gerichte gespeichert. Das eine ist ein Randensalat mit Sauerkirschensauce, das andere ein Eiersalat mit Kräutern und Walnüssen. Die Randen im Garten müssen noch ein bisschen wachsen, aber die Zutaten für den zweiten Salat hatte ich alle da. Reichlich skeptisch machte ich mich an die Zubereitung, denn Eiersalat konnte ich noch nie besonders gut leiden. So ein, zwei Mal pro Jahr habe ich richtigen Heisshunger darauf, aber sonst pflege ich einen grossen Bogen um Schüsseln mit gekochten und zermanschten Eiern zu machen. Darum heckte ich auch Plan B aus: Wenn er mir nicht schmeckt, bekommt Herr C. ihn zum Abendessen. Daraus wurde dann aber nichts. Der georgische Eiersalat war so unglaublich gut, dass ich beide Portionen mit höchstem Genuss verdrückt habe. Ich! Die Frau, die keinen Eiersalat mag! Was schliessen wir daraus? Unbedingt nachkochen!


Für 2 Personen:

  • 2 Eier Grösse L
  • 20 gr Butter, sehr weich
  • 1 El gehackter Koriander 
  • 1 El gehackter Dill 
  • 1/2 El fein gehackte Lauchzwiebel
  • 2 El mittelfein gehackte Walnüsse
  • 1/2 Tl Granatapfelmelasse (z.B. von Chtoura)
  • Salz, Pfeffer

Eier hart kochen, abschrecken und abkühlen lassen. Danach schälen, achteln, in eine kleine Schüssel geben und mit einer Gabel nicht zu fein zerdrücken. Zuerst Butter, Kräuter und Zwiebelstücke untermischen, dann Walnüsse und Granatapfelsirup. Mit Salz und Pfeffer würzen. Eine Viertelstunde durchziehen lassen und mit reichlich Brot servieren. 

კარგი მადა!
kargi mada!
en guete!

Anmerkungen: Korianderkraut kommt mir unter keinen Umständen ins selbstgekochte Essen, darum musste ich ein wenig improvisieren. Petersilie, sonst mein Ersatzfavorit, war aus, aber ich hatte noch arabischen Majoran (3/4) und syrischen Oregano (1/4). Für mich die perfekte Mischung! Wer keinen frischen Dill hat, kann ihn durch 1/2 Tl getrocknete Dillspitzen ersetzen. Keine Lauchzwiebel im Haus? Einfach die gleiche Menge sehr fein gehackte Schalotte oder gelbe Zwiebel verwenden. Granatapfelmelasse ist zwar nicht ganz authentisch, aber ohne ein bisschen fruchtige Säure wäre der Salat arg dröge. In Georgien wird häufig Granatapfelsaft statt Essig/Zitronensaft verwendet, hatte ich aber leider nicht vorrätig. Quelle: Trapeza

Und ab damit zur Tomateninsel, wo im August vegetarische Rezepte aus Georgien gesammelt werden.

Vegetarische Weltreise - Georgien


Dienstag, 18. August 2015

Buchvorstellung: Gärtnern im Kleinformat von Janit Calvo



Es gibt Zeiten, da scheint alles wie verhext. Zuerst war ich gesundheitlich nicht auf der Höhe und dann kam die Hitzewelle, die mir schwer zu schaffen machte. Nebenbei musste ich auch noch fast jeden Tag zum Giessen in den Schrebergarten hetzen. Weil der Wasserdruck nach der Reparatur der Hauptleitung halbiert wurde, dauert die ganze Prozedur mittlerweile mindestens 75 Minuten. Nur giessen, wohlgemerkt. Noch die schlimmsten Unkräuter rausgerissen, Gemüse und Beeren gepflückt und schon war es 22h (oder später) und die Verarbeitung der Ernte musste auf den nächsten oder übernächsten Tag verschoben werden. Zu meinem Verdruss begann auch noch die Brombeer- und Holundersaison viel früher als sonst. Der Kühlschrank quoll zwischendurch schier über vor lauter Papiertüten voller Gemüse und Früchte. Uff. Es blieb einfach keine Zeit übrig, um den geplanten Gemüsegarten en miniature auf der Terrasse anzulegen. Was mich ziemlich ärgert, denn ich wollte euch die Buchvorstellung samt gelungener Umsetzung präsentieren. Eine grosse, blau glasierte Schüssel samt Untersetzer ist alles, was ich bisher besorgen konnte. Nun wollte ich aber nicht mehr länger warten, denn Gärtnern im Kleinformat aus dem Topp Verlag ist so putzig und informativ, dass ich euch die Chance nicht nehmen möchte, noch in diesem Jahr etwas davon umzusetzen.


Beim ersten Durchblättern gab ich unwillkürlich dauernd Sätze wie "Aaah, oberniedlich" oder "Supertoll, richtig zuckersüss" von mir, so dass Herr C. sich schon zu fragen begann, ob ich noch ganz dicht bin. Denn Wörter wie niedlich, putzig oder zuckersüss tauchen in meinem Sprachgebrauch sehr, sehr selten auf. Über dieses Alter bin ich hinweg, behaupte ich dann immer. Aber wenn man sich die liebevoll gestalteten Minigärten und besonders die unzähligen schnuckeligen Details anschaut, kann man gar nicht anders...


Zurück zum Thema. Das Softcover-Buch ist überraschend gross (23 x 22 cm), liegt gut in der Hand und lässt sich problemlos aufgeklappt hinlegen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt auf alle Fälle, denn das Buch wirkt sehr wertig.


Auf über 350 Seiten, garniert mit unzähligen Bildern, wird der Leser in die Welt der Miniaturgärten entführt. Ich persönlich hätte mir das Buch ja nur schon wegen der Fotos gekauft, aber nebenbei erfährt man ausführlich, wie ein solcher Garten durchdacht angelegt und später richtig gepflegt wird. Die Kapitel sind daher folgendermassen unterteilt: Einleitung, Miniaturwelten für Anfänger, Massstabgerechtes Design, Terrassen und Pfade, Pflanzen für den Miniaturgarten, Zubehör, Projekte und Gartenpflege. Dank den vielen bebilderten Schritt-für-Schritt-Anleitungen, ist dieses Buch auch für absolute Gartenneulinge verständlich. 


Vom Mini-Mini-Gärtchen im kleinen Tontopf, über bepflanzte Waschschüsseln, bis zur chinesisch/japanisch inspirierten Miniatur-Parkanlage im Hausgarten, ist alles mit dabei. Natürlich kann man für dieses Hobby auch ziemlich viel Geld ausgeben, aber mit etwas Phantasie und Improvisationskunst bleiben die Kosten im Rahmen. Beispielsweise finden sich Miniaturmöbel und kleine Steingut- oder Porzellantiere oft zu passablen Preisen auf Flohmärkten, wenn jemand den Inhalt eines Setz-/Sammelkastens zum Verkauf anbietet. Viele Gestaltungselemente können auch (mit oder ohne Anleitung) selbst hergestellt werden, wie zum Beispiel Zäune oder Rankgitter. Passende Pflanzen kann der Gärtner des Vertrauens besorgen, Pflanzgefässe sind in jedem guten Baumarkt erhältlich. Generell gilt: Wer gerne bastelt, ist klar im Vorteil. Andere Vorkenntnisse sind für dieses Hobby nicht nötig. Kleinere Projekte können auch mit Kindern gut umgesetzt werden. Oft sind sie begeistert mit dabei, wenn es um's Dekorieren und Pflegen solcher Miniaturwelten geht. Ausserdem ist es ein originelles Geschenk für alle, die einen grünen Daumen haben. Oder gerne hätten. 

Fazit:
Eine dicke, fette Kaufempfehlung meinerseits. Es ist einfach zu putzig. ('Tschuldigung ;-)

Zum Abschluss noch das Kleingedruckte: Die in dieser Rezension geäusserten Ansichten und Meinungen sind zu 100% die Meinigen und wurden von niemandem beeinflusst.       
Einen ganz herzlichen Dank an den Topp Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. 
Die eingebundenen Fotos stammen ursprünglich aus dem Buch und wurden von mir für die Buchvorstellung abfotografiert.