Dienstag, 26. Mai 2015

Zum Abschluss: Rhabarberkonfitüre²


Links mit Vanille, rechts mit Kokosmilch

Der Rhabarber im Garten geht langsam zur Neige. Höchste Zeit, noch eine Portion Frühlingsglück einzumachen. Früher war mir das Ende der Rhabarbersaison schnurzpiepegal, damals konnte man mich mit Rhabarberkonfitüre jagen. Vor vielen, vielen Jahren stand eines Tages ein Glas davon bei uns im Schrank. Passend zur suppigen Konsistenz, verlieh die grün-gelb-gräuliche Farbe der Konfitüre einen Touch von Seekrankheit. Die langen Fäden darin erinnerten zu sehr an glibberigen Tang und der Geschmack glich einer schweren Havarie. Sauer, zusammenziehend, in den Zähnen hängen bleibend. *schüttel* Ich kann mich nicht mehr erinnern, wer unserer Familie dieses Glas voll Unglück vermacht hatte. Aber ich kann mich daran erinnern, dass ich die folgende Dekade anfing zu rennen, sobald etwas mit Rhabarber in meine Nähe kam. Einzige Ausnahme war das Erdbeer-Rhabarber-Kompott meiner Frau Mama, alles andere verweigerte ich. Eine Tragödie, aus heutiger Sicht. Mittlerweile ist aber alles aufgeholt. Unzählige Rhabarberwähen, -kuchen, -torten und -törtchen, Berge von Kompott und literweise Sirup fanden den Weg in meinen Magen. Doch um eines habe ich mich bis letzte Woche gedrückt: Rhabarberkonfitüre, das Schreckensgespenst meiner Kindheit. Todesmutig habe ich mich in die Küche begeben, ein bisschen püriert, ein bisschen gefärbt et voilà, isch bin bekehrt. Klassisch mit Vanille oder exotisch mit Kokosmilch, ihr habt die Qual der Wahl.  


Für 4 Gläser à 250 ml und ein Glas à 125 ml:

  • 1 kg Rhabarber, geputzt gewogen
  • 650 g Gelierzucker 2:1 
  • Saft einer Orange
  • 100 ml Hibiskuskonzentrat*
  • Mark einer Vanilleschote oder ein gehäufter 1/4 Tl Vanillepulver

Rhababer in Scheibchen schneiden und zusammen mit dem Gelierzucker in einem grossen Topf vermischen. Eine Stunde Saft ziehen lassen. Orangensaft und Hibiskuskonzentrat unterrühren und mit dem Stabmixer fein pürieren. Topfinhalt auf mittlerer Stufe zum Kochen bringen. Kräftig rühren und zwischendurch abschäumen nicht vergessen. Fünf Minuten sprudelnd kochen lassen, Vanillemark unterrühren und eine weitere Minute kochen. Sofort in die sterilisierten Gläser füllen, Deckel gut zudrehen und mit einem Tuch bedeckt auskühlen lassen. Hält sich, sofern sauber gearbeitet wurde, mindestens ein Jahr. Nach dem Anbruch vorzugsweise im Kühlschrank lagern. 



Für 2 Gläser à 350 ml:

  • 400 gr Rhabarber, geputzt gewogen
  • 3 El Zitronensaft
  • 250 gr Gelierzucker 2:1
  • 165 ml Kokosmilch (eine Minidose, z.B. von Chaokoh)
  • 25 ml Hibiskuskonzentrat*

Rhababer in Scheibchen schneiden und zusammen mit dem Gelierzucker in einem grossen Topf vermischen. Eine Stunde Saft ziehen lassen. Zitronensaft, Kokosmilch und Hibiskuskonzentrat unterrühren, mit dem Stabmixer fein pürieren. Topfinhalt auf mittlerer Stufe zum Kochen bringen. Kräftig rühren und zwischendurch abschäumen nicht vergessen. Fünf Minuten sprudelnd kochen lassen. Sofort in die sterilisierten Gläser füllen, Deckel gut zudrehen und mit einem Tuch bedeckt auskühlen lassen. Wegen der Kokosmilch würde ich auf eine verkürzte Haltbarkeit tippen, also möglichst bald verbrauchen und nach dem Anbruch vorzugsweise im Kühlschrank lagern. Quelle: Milchmädchen


* Hibiskuskonzentrat macht sich geschmacklich nicht wirklich bemerkbar, aber farblich einen riesigen Unterschied. Wer keinen Hibiskus hat, streicht das Konzentrat ersatzlos. Rezept für alle anderen: 15 Gramm Hibiskusblüten mit 250 ml Wasser in einem kleinen Topf aufkochen. Fünf Minuten kochen, Herd ausschalten, Deckel auflegen und eine Stunde ziehen lassen. Absieben und weiterverwenden. Reste mit kaltem Wasser, Süssungsmittel nach Wahl und Eiswürfeln zu einem Hibiskus-Eistee vermischen.

Garten-Koch-Event Mai: Rhabarber [31.05.2015]
Mein dritter und letzter Beitrag zum Rhabarbermonat Mai.

Sonntag, 24. Mai 2015

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -6-



[GE]gessen: Gebratener grüner Spargel mit Austernpilzen

[GE]trunken: Damla sakizli (Kaffee mit Mastix)

[GE]kocht: Erdbeer-Rhabarber-Vanille-Konfitüre

[GE]backen: Muffins mit Quittenbutter

[GE]wesen: In Maisprach (siehe [GE]lacht)

[GE]sehen Shame mit Michael Fassbender

[GE]lesen Der Distelfink - Donna Tartt

[GE]freut: 
Im Garten lebt seit drei Jahren eine dicke, fette Kröte. 
Die Quietscher, die Herr C. ausstösst, wenn er sie sieht, sind herzerfrischend.
(Von wegen nur Frauen sind so veranlagt...)

[GE]ärgert: Über den Telefonterror von irgendwelchen dubiosen Firmen, die bis zu acht (!) Mal pro Tag anrufen. 

[GE]kauft: Eine Schreibtischlampe aus den 80ern für Herrn C.

[GE]hört: Radio Orchid - Fury in the Slaughterhouse 

[GE]lacht:  
Am Samstag Holunderblütensirup gekocht und insgesamt 17 Flaschen abgefüllt.
Am Sonntag (Mühletag) der Mühle Maisprach einen Besuch abgestattet.
Zuerst Mehl und Körner, dann noch fünf Lose gekauft.
Vier waren Nieten, eines enthielt eine Gewinnummer.
Freudig zum Gewinnzelt gehüpft, Los abgegeben und....
....eine Flasche Holundersirup gewonnen.
Juhui.


Mittwoch, 20. Mai 2015

Ein Abgesang: Das Zic Zac in Allschwil


Es gibt Restaurants, bei denen man schon Sekunden nach dem Eintreten weiss, dass besser schleunigst der Rückwärtsgang eingelegt werden sollte. Warum die meisten Menschen trotz solcher Vorahnungen nicht flüchten, ist mir schleierhaft. Bis ich es kürzlich selbst erlebte. Herr C. hatte mich abends zu einem Termin begleitet und danach spontan zum Essen eingeladen. Unsere Wahl fiel auf das Zic Zac in Allschwil, welches in der Umgebung bekannt ist für seine Burger und den Biergarten. Wir hatten in den letzten Monaten von Freunden und Bekannten gehört, dass die Qualität gesunken sei und wollten uns selbst davon überzeugen, da wir früher gerne ab und zu dort gegessen hatten. An besagtem Abend hatte das Wetter umgeschlagen und so entschieden wir uns für einen Plätzchen im Innern. Ein Kellner nahm uns in Empfang, geleitete uns zu einem Tisch, legte die Karten nieder und verschwand. Keine Nachfrage, ob uns der Tisch gefällt oder ob wir lieber irgendwo anders sitzen wollen. Mir fiel nur ein Ausdruck dafür ein: Typische Massenabfertigung. Das war der Punkt, an dem ich am liebsten wieder gegangen wäre. Warum wir trotzdem geblieben sind? Hunger. Und zu müde, um noch eine andere Lokalität zu suchen. Wir blätterten durch die Karte und entschieden uns für unsere zwei Lieblingsburger. Sagenhafte fünf Minuten später standen die vollbeladenen Teller vor unsere Nase. Fünf Minuten? Genau, fünf Minuten. Rekordverdächtig. Und auch sonst verdächtig. Wie kann ein Koch innerhalb von maximal vier Minuten zwei Burger, zwei Portionen Pommes und zwei Side Salads zubereiten und anrichten? 

Eigentlich wollte ich es gar nicht wissen. Um mich abzulenken, beäugte ich die Beilagen genauer. Riesige Stücke Eisbergsalat, mindestens ein Drittel davon bestanden aus nichts als der weissen Mittelrippe. Rechts angetrocknete Karottenstücke, in der Mitte angetrockneter Mais aus der Dose, links geschmacklose Gurkenstücke. Von allem probiert, die Industriesalatsauce als nicht essbar eingestuft (Maggi meets Zuckerdose) und zu den Pommes übergegangen. Diese waren öltriefend, labbrig und kaum gesalzen. Der Burger konnte es auch nicht herausreissen. Labbrige, kaum angewärmte Brötchenhälften. Eine Seite bestrichen mit einem scharfen, nach abgelaufenem Paprikapulver duftenden Tomatenmatsch. (Auf Nachfrage wurde beschieden, dass es sich dabei um BBQ-Sauce handeln soll). Gummiger Schmelzkäse. Die Ananasscheibe aus der Dose war auf einer Seite schwarz. Der Speck fetttriefend, nicht kross, zu kurz gebraten und viel zu salzig. Das Pattie war auf einer Seite ebenfalls schwarz und von komischer Konsistenz. Der Anschnitt offenbarte Fettklümpchen und Knorpelstückchen in der ansonsten komplett homogenen grauen Fleischmasse. Erinnerte mich an einen Burger, den ich Jahre zuvor auf einer Studentenparty gereicht bekam. Billigstes Fleisch und billigste Brötchen aus dem Discounter, lieblos zusammengezimmert. Hauptsache Mampf. Nach ein paar Bissen war mir der Appetit gründlich vergangen und ich schob den Teller zur Seite. Herr C. ass ein bisschen mehr, befand aber auch sein Gericht nur geniessbar, weil er den ganzen Tag über noch nichts gegessen hatte. Während wir auf den Kellner warteten, gaben zwei Damen einen Tisch weiter ihre Burgerteller ebenfalls fast unangetastet zurück. Einige Zeit später tauchte der zuständige Herr auf und erkundigte sich beim Abräumen, ob es denn geschmeckt habe. Nein, hatte es nicht, erkennbar an dem kaum angerührten Speisen. Ich gab ihm eine kurze, freundliche Zusammenfassung. Er nickte und erkundigte sich bei Herrn C., wie es ihm geschmeckt habe. Er äusserte sich in die gleiche Richtung. Kommentarlos verschwand die Bedienung samt den Tellern. Als er Minuten später wieder auftauchte, baten wir um die Rechnung, die auch prompt ausgestellt wurde. Und wie sollte es auch anders sein, beide Gerichte wurden vollumfänglich berechnet. Ebenso die zwei Getränke. Kein "Ich habe ihre Beschwerde an die Küche weitergeleitet" oder ähnliches. Und natürlich auch kein "Darf ich ihnen dafür einen Kaffee auf Kosten des Hauses servieren?". Dafür einen unfreundlichen Blick, als Herr C. die Summe nicht aufrundete. 

Wann genau ist eigentlich die Personalschulung auf ein solch furchtbares Niveau herabgesunken? Ausrutscher in einer Küche können immer passieren, aber solch katastrophale Leistungen und dazu noch inkompetentes Personal vergraulen doch auch die willigsten Gäste. Bei uns haben sie es jedenfalls geschafft. Schade, ich mochte den Biergarten. Und die Burger. *soifz*


Sonntag, 17. Mai 2015

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -5-



[GE]gessen: Geräuchertes Rückenfilet vom Lachs mit Wickenknospen

[GE]trunken: Feigenblättertee

[GE]kocht: literweise Holunderblütensirup

[GE]backen: 4-Korn-Toast 

[GE]wesenIm Garten. Junge Piepmätze beobachtet.

[GE]sehen: Das Schweigen der Lämmer

[GE]lesen: Katia Mann - Die Frau des Zauberers

Aus[GE]sät: Hirschhornsalat, Sonnenblumen und Mombacher Speckbohnen
 
[GE]freut: Über Kaffeeöl von H. Antoniewicz

[GE]kauft: Und Sonntags rührte Nonno die Polenta - Giò Waeckerli-Induni

[GE]hört: '74-'75 (The Connells)

[GE]weint: 
B.B. King has left the building


Freitag, 15. Mai 2015

Second: Mürbe Galettes aus Emmer- & Roggenmehl mit Rhabarberfüllung



Was dem Briten sein Hand Pie, ist dem Franzosen seine Galette. 

Kurzer Steckbrief:

Grösse 
Von wünzig klein bis XXL-Familienformat.

Teig
Helles Weizenmehl ist out,  Mehl aus Urgetreide und Mischungen sind der Dernier Cri.

Füllung 
Süss oder salzig. Erlaubt ist, was gefällt.

Ob mit oder ohne Ei, daran scheiden sich die Geister. Ob mit oder ohne Backpulver, ist eine Glaubensfrage. Ungesalzene oder gesalzene Butter? Mönsch, Kindies, ihr könnt das halten wie ihr wollt. Meine Galettes haben den Segen von der kritischsten Prüferin des Universums, auch bekannt als mein Schwesterherz. Und wenn sie sagt, ich zitiere: Die sind perfekt. Voll yummie!, dann ist das auch so. Punkt. Amen. Aus.


Für den Teig:
  • 120 gr helles Emmermehl
  • 60 gr helles Roggenmehl
  • 50 gr Zucker
  • knapper 1/2 Tl Weinsteinbackpulver
  • 85 gr gesalzene Butter, kühlschrankkalt (ich bevorzuge diese Sorte mit Meersalz)
  • 1 Ei Grösse L, kühlschrankkalt
  • 2-4 El kaltes Wasser

Füllung:
  • 120 gr dünne Rhabarberstangen, geputzt gewogen
  • 1 kleiner Apfel (möglichst eine mürbe, saure Sorte)
  • 40 gr Zucker
  • 1/8 Tl Zimtpulver

Mehl, Zucker und Backpulver in einer Schüssel mischen. Kalte Butter in dünne Scheiben schneiden und in die Schüssel geben. Mit einem Pastry Cutter, zwei Messern oder den Händen schnell einarbeiten, bis die Butterstücke linsengross sind. Ei mit einer Gabel verquirlen und unter die krümelige Masse rühren. Schüsselinhalt auf die Arbeitsfläche kippen, vorsichtig mit den Händen zusammenfügen und esslöffelweise soviel Wasser zugeben, bis der Teig gerade zusammenhält. KURZ auf der Arbeitsfläche durchkneten, bis er gerade homogen ist. Ganz wichtig: Der Teig darf nicht warm werden. In 5 Stücke à etwa 78 Gramm teilen. Rund formen, auf einen vorgekühlten Teller legen und 15 Minuten im Kühlschrank parkieren.


Unterdessen die Rhabarberstangen in zentimetergrosse Stücke schneiden. Apfel schälen, vierteln, Kerngehäuse und Fliege entfernen und in etwa gleich grosse Stücke schneiden. 60 gr davon abwiegen und zum Rhabarber geben. Mit Zucker und Zimt vermischen. Ofen auf 180 Grad vorheizen. Arbeitsfläche ganz fein bemehlen, ein gekühlten Teigball aus dem Kühlschrank nehmen und mit dem Handballen zu einer untertassengrosse Scheibe plattieren, die möglichst gleichmässig dick sein sollte. Schnell arbeiten, damit der Teig nicht warm wird. 2 El Füllung in der Mitte geben, ein bisschen verteilen. Darauf achten, dass rundherum ein etwa 2 cm breiter Rand frei bleibt. Ränder vorsichtig umklappen und ein wenig wie bei Piroggen einkneifen/formen/festdrücken. Auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen. Mit den restlichen vier Teigportionen genau gleich verfahren. Blech auf der zweiten Schiene von unten einschieben und 15 Minuten backen. Eine Schiene höher einschieben und weitere 10-15 Minuten backen, bis der Teig appetitlich gebräunt ist und das Innere wie ein blubbernder Früchtesee aussieht. Auf einem Gitter auskühlen lassen und zimmerwarm servieren.

Garten-Koch-Event Mai: Rhabarber [31.05.2015]
Mein zweiter Beitrag im Monat Mai zum Thema Rhabarber.


Mittwoch, 13. Mai 2015

Rezension: Hummus, Bulgur & Za'atar



Herr C. ist zu meinem Leidwesen kein begeisterter Fan der orientalischen Küche. Er kann gut auf Auberginen, Kreuzkümmel, Chilis und Korianderkraut verzichten, und ist allgemein skeptisch, wenn mit Gewürzen wie Zimt, Piment und Koriandersamen verschwenderisch umgegangen wird. Mastix, Mahlap, Rosen- und Orangenblütenwasser gehören seiner Meinung nach in Kosmetik, aber nicht auf den Teller. Gemüse oder Salate mit Zitronensaft findet er viel zu sauer und zuckersüsses Gebäck kann ihn auch nicht locken. Mit anderen Worten: Oft, wenn er geschäftlich abwesend ist, steigt im Hause C. eine Orgie wie aus 1001 Nacht. Natürlich nur auf kulinarischer Ebene, für alles andere bin ich viel zu alt. Um mein Repertoire zu erweitern, ist kürzlich Hummus, Bulgur und Za'atar von Rawia Bishara aus dem Fackelträger Verlag bei mir eingezogen. Glücklicherweise ist Herr C. bald eine Woche abwesend, denn auf der Nachkochliste hat sich dank des Buches noch einiges mehr angesammelt.

Erster Eindruck:
Optisch ein Volltreffer. Fast jedes Rezept wird von einem seitenfüllenden, stimmigen Foto begleitet. Die Farben und Dekoelemente sind, passend zu den Gerichten, orientalisch-bunt und versetzen mich schon beim Durchblättern in Ferienstimmung. Fotos von Land, Leuten und Lebensmitteln runden das Ganze ab. 

Inhalt:
Aufgeteilt wurde in folgende Kapitel: Frühstück, Vorspeisen, Salate, Suppen & Eintöpfe, Beilagen, Eingelegtes & Saucen und Desserts. Aber halt, da fehlt ja noch etwas. Genau, die Hauptgerichte. Dieses Kapitel wird noch unterteilt in Vegetarisch, Fisch & Schalentiere, Geflügel und Lamm & Rind. Am Anfang des Buches findet sich praktischerweise gleich eine Doppelseite mit dem Titel "Speisekammer", auf der die wichtigsten Zutaten für die mediterran-orientalischen Köstlichkeiten aufgelistet und kurz erklärt werden. Jedes Kapitel, und auch beinahe jedes Rezept, werden mit ein paar Worten der Autorin eingeleitet. Spätestens jetzt wird klar, dass es sich um ein sehr persönliches Kochbuch handelt, was die Lektüre noch viel sympathischer macht. Unter den über 130 Rezepten finden sich einige Klassiker, wie beispielsweise Hummus, Kibbeh, Baba Ghanoush, M(u)hammara, Falafel, Taboulé, gefüllte Weinblätter und Harira. Viel häufiger vertreten sind aber Familienrezepte, die man in anderen Kochbüchern vergeblich sucht. Zum Beispiel Eier mit Za'atar, Joghurt-Tahini mit Kichererbsen, syrischer Kartoffelsalat, Tomaten-Kürbis-Suppe, Blumenkohleintopf mit Lamm und Granatapfelsirup,  gegrillter Red Snapper in Weinblättern, Hühnchen-Fetti oder Palästinensischer Couscous. Nicht ganz zum Konzept passend sind europäische bzw. amerikanische Gerichte wie Rosenkohl mit Panko, Rote-Bete-Salat mit Basilikumpesto, Blumenkohlsalat, Aubergine Napoleon, Lachs mit Pestosauce oder Schokolade-Himbeer-Kuchen. Normalerweise schätze ich eine grosse Bandbreite, doch die letztgenannten Rezepte sind meiner Meinung nach komplett überflüssig.

Unbedingt ausprobieren möchte ich noch:

- Libanesisches Pasteten mit Mastix und Fleischfüllung 
- Eingelegte gefüllte Auberginen
- Fladenbrot mit roter Paprika und Zwiebeln
- Okraschoten mit Lamm und Granatapfelsirup
- Gegrillter Löwenzahn mit karamellisierten Zwiebeln
- Scharfer Reis mit Tomaten, Kreuzkümmel und Erbsen
- Gefüllte Artischocken mit Fleisch und Pinienkernen
- Eingelegte Steckrüben mit Roter Bete
- Sahlab mit Mastix, Orangenblüten- und Rosenwasser
- Glutenfreier Mandarinen-Aprikosen-Kuchen
- Mamoul mit Mastix, Mahlap und Pistazien (und ja, ich bin ein kleiner Mastix-Freak)

Was meint der Magen:
Fünf Rezepte habe ich herausgepickt und vier davon haben meine Erwartungen erfüllt oder sogar übertroffen. Die gebratenen Tomatenscheiben sind einfach in der Zubereitung und zerschmolzen förmlich im Mund. Die Reste landeten am nächsten Tag zusammen mit Tahini-Petersilien-Sauce in einem Stück Fladenbrot, was ein köstliches Sandwich ergab. Das Schüsselchen grauer Hummus wurde, trotz der ungewöhnlichen Farbe, noch am gleichen Abend mit Begeisterung weggedippt. Im Rezept werden helle Kichererbsen verwendet, ich hatte aber nur noch schwarze Ceci aus Italien im Vorratsschrank. Das verwendete Tahin war ebenfalls schwarz, sonst wäre das Ergebnis wohl schmutzigbraun ausgefallen. Schwesterherzens Kommentar: Toller Partygag. Beton in der Schüssel. Tstststststs.....


Der Olivenaufstrich mit Sardinen fand hellen Anklang bei Herrn C., mir war er pur schon fast ein bisschen zu fischig. Liegt aber wahrscheinlich an der Qualität der verwendeten Fischkonserve und nicht am Rezept. Muttabal, eigentlich ein Salat aus Auberginen und Tomaten, blieb aus Versehen ein paar Umdrehungen zu lange im Mixer und transformierte sich zu einem Aufstrich. Geschmeckt hat es trotzdem. Einzig beim Arabischen Brot konnte ich keinen Erfolg verbuchen. 620 ml Wasser, 250 gr Joghurt und 250 ml Olivenöl auf 750 gr Mehl ergeben eine flüssige Pampe, aber keinen knet- oder formbaren Brotteig. Das Desaster ahnend, hatte ich glücklicherweise nur ein Sechstel der Menge angerührt. Den türkischen Bäcker zwei Strassen weiter freute es, so wurde er für mein Testessen zwei seiner Pide los. Good to know: Wer kein gut sortiertes türkisches und/oder arabisches Lebenmittelgeschäft in seiner Nähe hat (oder über entsprechende Vorräte verfügt), wird beim Nachkochen zwangsläufig schnell an seine Grenzen stossen. Viele Zutaten lassen sich nur schlecht oder gar nicht ersetzen, darum unbedingt bei nächster Gelegenheit Granatapfelsirup, Tahini, Bulgur, rote Linsen, Kreuzkümmel, Piment und Co. bunkern.

Fazit:
Definitiv kein typisch orientalisches Kochbuch. Aber genau das macht seinen Reiz aus. Wer sich, seine Familie und Freunde mit schnörkellosen Gerichten ohne Chichi verwöhnen möchte, liegt mit diesem Kochbuch genau richtig. Eher für fortgeschrittene Köche als für blutige Anfänger geeignet, denn die Anleitungen und die einzelnen Arbeitsschritte sind manchmal sehr knapp gehalten.

Zum Abschluss noch das Kleingedruckte: Die in diesem Artikel geäusserten Ansichten und Meinungen sind zu 100% die Meinigen und wurden von niemandem beeinflusst. Einen ganz herzlichen Dank an den Fackelträger Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.


Dienstag, 12. Mai 2015

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -4-




[GE]gessen: Zwei gedörrte Comice-Birnen aus einer der letzten Schweizer Holzofendörrereien 

[GE]trunken: Chatzeseicherli halb/halb
(Schorle aus Uva Americana-Saft und Mineralwasser)  

[GE]kocht: Zwei Sorten Rhabarberkonfitüre

[GE]backen: Brot mit Grünkern und Hirse

[GE]wesen: Stippvisite in Zürich

[GE]sehen: Headhunter mit Aksel Hennie 

[GE]lesen: Steile Welt. Leben im Onsernone - Stef Stauffer

[GE]freut: Über einen riesigen marokkanischen Bettüberwurf, den mir Tante Z. von ebendort mitgebracht hat

Noch nicht Aus[GE]pflanzt: Forellenschluss, Broccoli, Kürbisse, Randen

[GE]gönnt: Ein Säckchen voller Leckereien von Schwarzenbach

[GE]hört: Ship of Fools - Erasure 

[GE]lacht: Über den Ausdruck "Malermeister-Terrorzelle" im neuen Klufti-Krimi